Hong Kong - City of Live!

Hongkong - Mythen und Moderne

In Hongkong treffen sie aufeinander: Mythen und Moderne

Hinter der Maske glänzend leuchtender Modernität arbeiten unzählige unsichtbare Kräfte. Die Luft ist voller Mysterien. Legenden und Bräuche, die aus Fung Shui, Buddhismus oder Taoismus stammen. Auch in den modernsten Wolkenkratzern sind sie lebendig.

Einen Ausflug in die Legenden Hong Kongs beginnt man am besten an einem chinesischen Esstisch, wo Etikette ein lebendiger Teil des Aberglaubens ist. Eine der wichtigsten Regeln: Niemals einen Fisch umdrehen. Man hebt entweder die Gräten vorsichtig an oder zieht das Fleisch unterhalb der Gräten heraus. Einen Fisch umzudrehen bedeutet Unglück für Fischer, denn es symbolisiert das Kentern eines Bootes - und auch Yachtbesitzer möchten ihr Schicksal nicht herausfordern.

Vom Schicksal gesegnet zu werden, ist einer der Schlüsselfaktoren bei der Zusammenstellung von Banketten. Einzelne Gerichte werden extra wegen ihrer verheißungsvollen Assoziationen ausgewählt: Für jemanden, dem man ein langes Leben während einer Geburtstagsfeier wünscht, werden Nudeln serviert, deren lange Stränge Symbol für ein langes Leben sind. Eine Mahlzeit ist auch immer gleichzeitig Medizin. Während westliche Menschen daran glauben, dass Karotten gut für die Sehkraft sind, schwören Chinesen auf Chrysanthemenblüten-Tee als bestes Augentonikum.

Weit verbreitet ist der Glauben an die "Organotherapie". Ihre Anhänger glauben: Ein Kranker kann alle Eigenschaften des Teiles eines Tieres annehmen, das er isst. Diese "Organotherapie" erklärt die Beliebtheit vieler Gerichte, die für Abendländer genwöhnungsbedürftig sind - etwa Hoden von Hähnen oder andere "unvorstellbare" Delikatessen.

In ländlichen Gemeinschaften kann man Aberglauben nicht nur sehen, sondern auch riechen. In fast jedem Dorf in Hong Kong wird man einen verehrungswürdigen alten Baum finden, der mit roten Streifen behängt ist und in dem Räucherstäbchen stecken. Oft sind es Banyan-Bäume, eine Baumart, der magische Kräfte nachgesagt werden: In ihnen wohnt ein Geist und den Baum zu fällen, bedeutet Tod.

Auch in der Metropole wird darauf Rücksicht genommen. Neubauten wurden an anderen Stellen errichtet als vorgesehen. Straßen sind kurvig angelegt, um solch alte Bäume zu erhalten. Ein Banyan- Baum im Pacific Place Hotel und Bürokomplex in der Queensway von Central District soll der teuerste Baum der Welt sein, da für den Schutz seiner Wurzeln ein Vermögen ausgegeben worden ist. Die Wurzeln konnten nur erhalten werden, indem ein riesiger "Blumentopf" geschaffen wurde.

Die Verehrung von Tieren zeigt sich besonders bei den chinesischen Tierkreiszeichen: Ein Zwölf-Jahres-Zyklus, in dem die Jahre nach elf echten Tieren und dem Drachen benannt werden. Jedes Zeichen soll ganz besondere Attribute aufweisen. Konsequenterweise bedeuten Geburt oder Heirat in einem bestimmten Jahr Glück oder Pech. Mütter versuchen noch heute, Ereignisse zu beschleunigen oder hinauszuzögern, damit Pech vermieden wird.

Sogar verschiedenen Früchten wird magische Kraft nachgesagt. Pfirsiche bringen Glück, dessen Nektar gilt als Lebenselixier. Die Siegel von taoistischen Amuletts werden aus Pfirsichkernen gefertigt. Abergläubische Mütter hängen ihren Babys solche Ketten um, um böse Geister zu vertreiben. Auch heute noch sieht man Girlanden voller Ingwer, Knoblauch oder anderer stark riechender Pflanzen vor Häusertüren hängen, um kranke Kinder vor dem Bösen zu schützen.

 
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