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Das Drogenproblem
Opiumkrieg ohne Ende?
Hongkong hat ein „Rauschgiftproblem“ Das überrascht
nicht, da es doch eine ununterbrochene Tradition des Drogenkonsums
und Drogenschmuggels seit Gründung der Kolonie bis heute
gibt. Anfangs war der Opiumhandel wichtigster Wirtschaftszweig
und unverzichtbare Einnahmequelle für die Kolonialregierung. |
Der erste Gouverneur Sir Henry Pottinger belegte
den Opiumhandel zwar mit einem Verbot, leitete aber keine Gegenmassnahmen
ein. Auch auf dem chinesischen Festland war die Bekämpfung
des Drogenproblems kaum erfolgreich. Angesichts steigender
Zahl an Süchtigen und des forschen Unternehmergeistes
britischer und chinesischer Geschäftsleute, sah sich der
bestechliche kaiserliche Verwaltungsapparat nicht in der Lage,
die Importflut einzudämmen.1858 schließlich wurde
der Anbau von Schlafmohn und das Rauchen von Opium in China
legalisiert. Im Jahr 1879 stieg die Opium-Einfuhr auf 83 000
Kisten an, doppelt so viele wie zur Zeit des ersten Opiumkriegs
1840. Die Regierung verhängte hohe Strafzölle, was
das Schmuggelgeschäft zusätzlich belebte. Auch in
der englischen Kolonie lebten zahlreiche Drogensüchtige.
Im Jahr 1844 errichtete Gouverneur Sir John Davis ein Monopol
für den Opiumverkauf, das später in eine Handelslizens
umgewandelt wurde, und der Regierung noch viele Jahre eine
zuverlässige Ertragsquelle blieb. Ab1890 gewannen die
Gegner des Opiumhandels in England Einfluss, 1909 verbot die
Kolonialregierung den Export von Opium in die Länder,
in denen der Konsum von Opium illegal war. Im Jahr 1924 gab
es noch 2000 Opiumhöhlen in Hongkong, die Zahl der Opiumraucher
wurde auf ein Viertel der chinesischen Bevölkerung geschätzt.
Wie wenig das Drogenproblem in der englischen Kronkolonie beachtet
wurde, zeigt die Tatsache, dass erst seit 1946 Verkauf und
Konsum von Rauschgift in der Kolonie unter Strafe gestellt
wurde.
Im späten 20. Jahrhundert setzten 50000 Drogensüchtige
in Hongkong die Tradition fort. Nur noch wenige sind vom einfachen
Opium abhängig, denn die am meisten verbreitete Droge
ist jetzt das Heroin- gefolgt von Hustensaft, mit dem sich
viele vor allem Jugendliche in einen Rausch versetzten, und
Kannabis. Die Mehrzahl der Süchtigen leben in den dicht
besiedelten Vierteln wie Kowloon und New Kowloon. Dabei nimmt
der Verkauf von Drogen in den Schulen, wo sich der Einfluss
der Triaden ausbreitet, dramatisch zu. Die Statistik zeigt
das Ausmass: 1991 wurden in Hongkong 7475 Prozesse wegen Drogendelikten
geführt, ein Fall pro 800 Einwohnern.
 Hongkong ist nicht nur eine Hochburg des Drogenkonsums, sondern
auch ein Drehpunkt des weltweiten Heroinhandels. Opium wird
aus dem Goldenen Dreieck über Land oder Küstenbooten
oder in großen Tiefseeschiffen in die Kolonie geschmuggelt
und dort verarbeitet. Angesichts des großen Geldes schreckt
jedoch auch die Verhängung von lebenslänglichen Haftstrafen
nicht ab. Von Hongkong versorgen internationale Banden das
Netz der Drogenhändler in Nordamerika und Europa. Auch
die Gewinne des Drogenhandels findet den Weg über Hongkong,
denn das große Finanzzentrum der Region bietet die besten
Gelegenheiten zur Geldwäsche. Einer Schätzung nach
stammten noch Anfang der 90er Jahre dreißig Prozent der
Geldeinlagen der Kolonie aus Drogengeschäften. Die Verquickung
der Hongkonger Unterwelt mit den Banden in der jetzigen Volksrepublik
China spricht nicht dafür, dass sich nach der Übergabe
Hongkongs an China 1997 etwas an der illegalen Tätigkeit ändert.
Die neuste Entwicklung der „chinesischen Drogenküche“ ist
wohl das Geschäft mit EIS (Methylamphetaminen), welches
wohl aus China nach Hongkong gelangt.
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