Die Interessen zweier Reiche waren kollidiert,
die kaum unterschiedlicher sein könnten, das eine uralt,
das andere auf Expansionskurs. Bereits im 17. Jahrhundert entdeckten
die Engländer ihre Vorliebe fürs Teetrinken. Über
die East India Company, das königliche Handelsmonopol,
kamen Tee, Seide und Porzellan aus China nach Europa. Als Bezahlung
akzeptierte das Reich der Mitte nur Silber. Im Jahr 1793 reiste
Lord Macartney nach Peking, um über die Öffnung chinesischer
Häfen für Produkte seines Landes zu verhandeln. Der
Kaiser jedoch betrachtete Fremde als Tributbringer. Er gewährte
dem Briten eine Audienz, betonte aber, dass China keine Waren
benötigte. Zwanzig Jahre später erfuhr der nächste
Gesandte Lord Amherst die Schikanen der chinesischen Hofbeamten,
den Kaiser durfte er nicht sprechen. So wurde weiterhin der
gesamte Außenhandel mit China über ein Konsortium
von chinesischen Händlern, die ein Monopol besaßen, über
Kanton abgewickelt. Um zu beweisen, dass die Siedlung der europäischen
Kaufleute ein Provisorium war, mussten die Familien in Macau
zurückgelassen werden und die Kaufleute mussten von Oktober
bis Mai selbst die Enklave verlassen. Im Winterhalbjahr lebten
die ausländischen Kaufleute in Kanton isoliert. Es war
ihnen verboten nach Sonnenuntergang auszugehen, die Stadt in
Gruppen zu betreten, Chinesisch zu lernen oder Waffen zu besitzen.

Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten findige britische
Händler eine –allerdings verbotene- Ware entdeckt,
die den Fluss der Silberbarren wieder umlehren konnten. Si beförderten
Opium von dem indischen Bengalen nach Kanton. Korrupte Mandarine
bereicherten sich dort am illegalen Handel. Im Laufe der Jahre
stieg die Zahl der süchtigen Chinesen dramatisch an, so
dass das ganze Land geschwächt war. Nicht nur Arme verfielen
der Drogensucht, sondern auch hohe Hofbeamte und der Vizekönig
in Kanton. Das schon lange bestehende Drogenverbot wurde nie
beachtet, so dass die Briten ständig die Lieferung von Opium
erhöhten und das Handelsvolumen bis 1837 auf jährlich
40 000 Kisten anwuchs. Opium war damals das bedeutendste Gut
des Welthandels. Allmählich wurde auch dem Kaiser deutlich, welche verheerende
Wirkung Opium auf sein Reich hatte und so rief er 1839 einen
unbestechlichen Mandarin auf den Plan. Lin Zexu kam als Sonderkommissar
nach Kanton.Er verhängte die Todesstrafe für den
Besitz des „ausländischen Drecks“ und verlangte
von allen in Kanton ansässigen Kaufleuten die Herausgabe
der Opiumbestände. Der britische Handelsbevollmächtigte
Captain Charles Elliott kam dieser Aufforderung nicht nach,
weil seine Landsleute in ihrer Siedlung in Kanton durch Lins
Soldaten belagert waren. Lin ließ 20000 Kisten Opium
verbrennen, dann, ermutigt durch den Rückzug der Briten
nach Macau, unterschätzte er seinen Gegner.
 Bei Krawallen in Kowloon zwischen betrunkenen britischen
und amerikanischen Seeleuten und chinesischen Fischern wurde
ein
Chinese getötet. Lin forderte daraufhin die Auslieferung
des Schuldigen. Als Elliot sich weigerte, übte der Sonderkommissar
Druck auf die Portugiesen aus, die britische Bevölkerung
von Macau auszuweisen. Die Vertreibung von Frauen und Kindern
auf Schiffe, die im Hafen zwischen Hongkong und Kowloon ankerten,
führte in London zu einem Sturm der Empörung und
verstärkte die Argumente der Kaufleute, die schon lange
die Öffnung Chinas erzwingen wollten. Ihr Ziel war es
das illegale Opium und britische Industrieprodukte ohne Einschränkungen
in China zu verkaufen und Handelsstützpunkte zu etablieren,
in denen britische Kaufleute ohne Bestimmungen der kaiserlichen
Behörden leben und sich sicherer als in Kanton fühlen
konnten.
Ganz im Sinne aggressiver Handelspolitik entschied Außenminister
Lord Palmerston, britische Interessen in Asien durch Entsendung
einer militärischen Expedition zu unterstützen. Er
verlangte Ersatz für das beschlagnahmte Opium, Sicherheit
und Handelsfreiheit für Briten in fünf chinesischen
Häfen und die Freigabe mehrerer Inseln als britische Handelsstützpunkte.
Nach Seegefechten, der Einnahme der Forts an der Mündung
des Perlflusses durch die Briten sowie einer Seeblokade von
Kanton, des Yangtse-Flusses und des Pei-ho-Flusses, des Zugangs
zu Beijing, gab sich der überraschte Kaiser, der von Lin
nur Erfolgsmeldungen erhalten hatte, geschlagen. Elliotts und
Lins Nachfolger einigten sich im Abkommen von Chuanbi auf Kompensationszahlungen
und die Übergabe der Inseln Hongkong, wo am 26.1.1841
die königliche Marine den Union Jack hisste. Doch die
Regierungen in London und Peking waren gleichermaßen
unzufrieden mit dem Abkommen. Palmerston erachtete die Insel
als zu klein und felsig um effektiv als Handelsbasis zu dienen.
Er forderte die Erreichung sämtlicher Kriegsziele und
ersetzte Elliott durch Sir Henry Pottinger, der die Kriegshandlungen
fortsetzte. Nach weiteren Niederlagen unterzeichneten die Chinesen
1842 den Vertrag von Nanjing. Neben der Abgabe von Hongkong
zahlte China Ersatz für das beschlagnahmte Opium, nahm
diplomatische Beziehungen mit England auf und akzeptierte die Öffnung
von fünf Häfen für den Auslandshandel.
 Doch es kam zu weiteren Spannungen zwischen Chinesen und Briten
und 1856 zum erneuten Kriegsausbruch, dem zweiten Opiumkrieg.
Im Jahre 1858 akzeptierte China die Öffnung von weiteren
fünf Häfen für den Handel, 1860 trat es den
südlichen Teil der Halbinsel Kowloon und die benachbarte
Stonecutters Island an die Kronkolonie Hongkong ab. Die Schmach
der „ungleichen Verträge“, die dem chinesischen
Reich nach dem verlorenen Opiumkriegen abgezwungen worden waren,
folgten in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts weitere
Erniedrigungen für China, die erst 1997 mit der Rückgabe
von Hongkong ausgeglichen wurden. |