Die privilegierten arroganten Europäer
lebten unter zahlenmäßig überlegenen teils
bettelarmen Chinesen und damit am Rande eines ständig
von Bürgerkrieg und Revolution bedrohten Landes, in dem
gewalttätiger Fremdenhass immer wieder ausbrach. Dennoch überstand
die britische Herrschaft alle inneren Unruhen, denn viele Chinesen
wussten, dass sie in Hongkong sicherer lebten und bessere Chancen
hatten als jenseits der Grenze.
 Der chinesische Geldadel führte keine Opposition, sondern
verbündete sich mit den Briten. Im Jahre 1956 kam es zu
schweren Krawallen in Kowloon und Tsuen Wan zwischen Anhängern
der Guomindang und der Kommunisten unter Beteiligung der Triaden.
60 Menschen verloren ihr Leben, ehe es den Sicherheitskräften
gelang, die Ordnung wieder herzustellen. Zehn Jahre später
wurde drei Tage lang in den Straßen von Kowloon randaliert.
Auslöser für die Unruhen war eine Tariferhöhung
für die erste Klasse der Star Ferry, aber die Unzufriedenheit
junger Leute in einer von extremen Einkommensschwankungen geprägten
Gesellschaft wurde als wahre Ursache angesehen.
Die Kulturrevolution griff 1967 auf Hongkong über. Nach
einer Streikwelle organisierten Kommunisten eine Kampagne gegen
die Kolonialregierung. Das rote Buch des Vorsitzenden Mao Zedong
wurde bei Demonstrationen durch die Luft geschwenkt. Schulkinder
riefen revolutionäre Parolen und Bomben explodierten.
Die Regierung von Hongkong bewahrte Fassung, saß die
harmlosen Erscheinungen der Unruhen aus und setzte Streitkräfte
gegen die Randalierer ein. Dabei schätze man die Stimmung
der Bevölkerung, die mehrheitlich gegen die Ausschreitungen
war, richtig ein. Dennoch fürchteten viel Briten das Ende
der Kolonie, da Hongkong während der trockenen Jahreszeit
von Wasserlieferungen aus China abhängig war. Als der
kritische Oktober kam, floss das Wasser wie gewohnt. Offensichtlich
so die Briten, war die Zeit noch nicht reif, um von Peking
aus die Fremdherrschaft auf chinesischem Boden zu beenden. |