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Hong Kong Bank und Bank of China
Architektur als Machtsymbol
Unter den Wolkenkratzern von Hongkong findet man keine originelleren
oder auffälligeren als die beiden Türme der führenden
Banken . Die Hong Kong Bank und die Bank of China, die eine
Symbol kolonialer Vergangenheit, die andere Sinnbild chinesischer
Zukunft, prägen die Skyline und die Geschichte von Hongkong. |
Schon bald nach ihrer Gründung 1864 wurde
die Hong Kong and Shanghai Banking Corporation, wie die heutige
Hong Kong Bank damals hieß, zu einer der einflussreichsten
Institutionen der Stadt. Als von der Regierung beauftragte
Notenbank ließ die Firma Geldscheine mit einer Abbildung
der eigenen Hauptverwaltung schmücken. Bis in jüngste
Zeit hieß es, die wahren Machthaber der Kolonie seien
die Bank, der Royal Hong Kong Jockey Club und der Gouverneur
- und zwar in dieser Reihenfolge.
Bei der Fertigstellung 1986 hatte die Hauptverwaltung der
Hong Kong Bank über 1 Mrd. Mark gekostet. Der englische
Architekt Norman Foster entwarf einen 180 m hohen Turm aus
Stahl, Glas und Aluminium mit grauen Querbalken wie gewaltige
Kleiderbügel und Dachkränen, die eher an ein Kriegsschiff
denn ein Geldinstitut erinnern. Durch den selbstbewussten High-Tech-Stil
trägt die Bank ihre Zuversicht zur Schau, auch nach 1997
renditeträchtig zu bleiben, beachtete aber vorsichtshalber
die Ratschläge eines Geomantikers, der die langen Rolltreppen
zum Atrium schräg platzieren ließ, um den guten
Geistern Zutritt zu gewähren. Auch die beiden sehr britisch
anmutenden Löwen vor dem Nordeingang wurden vom Vorgängerbau
als Glücksbringer behalten und mit aller Sorgfalt geomantisch
korrekt platziert.
Das alte Verwaltungsgebäude der Bank of China, eines staatlichen
Unternehmens der Regierung in Beijing, wurde neben der Hong
Kong Bank 1952 vollendet. Das Haus, nicht zufällig 6 m
höher als das der Hong Kong Bank, sollte auch durch das
Imponiergehabe der Löwen vor dem Haupteingang den Nachbarn übertreffen.
Im Jahre 1967, während der Kulturrevolution, wurden von
dort pro-kommunistische Demonstrationen dirigiert.
Die Bank of China ist der wichtigste Devisenkanal für
die Volksrepublik, da sie die Finanzierung eines großen
Teils des chinesischen Außenhandels abwickelt und eine
Vielzahl der Unternehmen und Beteiligungen steuert, die Beijing
in Hongkong besitzt. So lag es nahe, dass die Bank mit dem
prächtigsten Neubau der Stadt die zukünftigen Machtverhältnisse
demonstrieren sollte. Den Zuschlag für das Prestigeprojekt
erhielt der chinesisch-amerikanische Architekt I. M. Pei, der
bereits bedeutende Aufträge in China erhalten und unter
anderem die Pyramide vor dem Louvre in Paris geplant hatte.
Pei entwarf einen kühnen, 70geschossigen Bau, ein schräges
Glasprisma aus vier spitzen Dreiecken. Unter Geomantikern ist
der Bank of China Tower, mit Antennen 370 m hoch, umstritten.
Die beiden weißen, 55 m hohen Antennen, die der Volksmund
"Stäbchen" nannte,
sowie die vielen scharfen Kanten seien ungünstig. Das
Gebäude überschatte die Residenz des Gouverneurs
und spiegele böse Einflüsse in seinen Garten. Pei
ließ die chinesische Tradition jedoch nicht gänzlich
außer acht, denn die Inspiration für seinen Entwurf
war der emporstrebende Bambusstamm. Auch im Unterbau aus Granit,
den umliegenden Steingärten und Brunnen sowie dem Gewölbe
der unteren Etagen, das an die Grabform der mittelalterlichen
Ming-Dynastie angelehnt ist, klingt das alte China an. Die
Tradition in Hongkong aber besteht in ständigem Wandel;
der Bank of China Tower, 1989 fertiggestellt, wurde schon vier
Jahre später von der 374 m hohen Central Plaza auf den
Rang des zweithöchsten Gebäudes in Asien verdrängt. |