Allgemeines
Mitte März 2003 wurde in Frankfurt/Main ein Arzt mit
seiner Frau und seiner Schwiegermutter auf einem Flug von New
York nach Singapur in Quarantäne genommen. Der Arzt hatte
auf dem Flug Symptome bei sich festgestellt, die denen eines
von ihm in Singapur behandelten Patienten stark ähnelten.
Der Verdacht lautete auf ein "Schweres akutes Atemnotsyndrom".
Diese neue Infektionskrankheit wird durch das klinische Bild
einer atypischen Lungenentzündung charakterisiert. Man
vermutete bereits zu diesem Zeitpunkt ein Virus als Auslöser
der Erkrankung, wusste aber zunächst nicht, um welches
es sich handeln könnte.
 Die Erkrankung des Arztes mit der englischen Bezeichnung Severe
Acute Respiratory Syndrome (SARS) hat ihren Ursprung wahrscheinlich
in Hongkong. Bereits vorher waren Erkrankungsfälle aus
China einschließlich Hongkong, Vietnam, den Philippinen,
Indonesien und aus Kanada gemeldet worden.
Der Erreger wurde vermutlich von einem erkrankten 64-jährigen
Arzt aus der südchinesischen Provinz Guangdong nach Hongkong
eingeschleppt, von wo aus sich die Krankheit dann nahezu weltweit
ausbreitete. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
erhärtete sich durch diesen Fall der schon lange bestehende
Verdacht, dass die SARS-Fälle mit der seit November 2002
in Guangdong grassierenden Epidemie atypischer Lungenentzündungen
in engem Zusammenhang stehen könnten Die WHO-Experten
bestätigten Ende März 2003, dass die Krankheitsfälle
in Guangdong die Kriterien des SARS erfüllten und es sich
um einen Ausbruch der selben Krankheit handelte. Die chinesischen
Behörden meldeten zu diesem Zeitpunkt 792 Verdachts- und
31 Todesfälle aus der Region. Dieser Teil Chinas, der
eine sehr große Bevölkerungsdichte besitzt und wo
viele Menschen auf engstem Raum bei sehr schlechten hygienischen
Verhältnissen leben, gilt schon seit längerem als
Ursprungsort für eine Reihe neuer und gefährlicher
Infektionserkrankungen.
Dr. Carlo Urbani, der Entdecker der neuartigen Lungenerkrankung,
verstarb in Thailand selbst an den Folgen der Infektion. Urbani
war Arzt und international tätiger WHO-Experte für
Infektionskrankheiten. Außerdem war er Leiter der italienischen
Sektion von "Ärzte ohne Grenzen". Urbani entdeckte
den unbekannten Erreger und machte weltweit auf SARS aufmerksam.
Das für die Erkrankung verantwortliche Virus wurde am
24. März 2003 zeitgleich von drei Forschungseinrichtungen
bzw. Arbeitsgruppen als eine neue Form des Coronavirus identifiziert.
An der Identifizierung waren das "Center for Desease Control
und Prevention" in Atlanta im Bundesstaat Georgia/USA,
das Team des Virologen Malik Peiris von der Universität
in Hongkong sowie der Virologe Christian Drosten vom Hamburger "Bernhard
Nocht-Institut für Tropenmedizin" beteiligt.
Auf der SARS-Konferenz am 17./18. Juni 2003 in Kuala Lumpur/Malaysia
erklärte die WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland, "dass
die Weltgemeinschaft aus der SARS-Epidemie wichtige Lektionen
gelernt habe, um sich künftig besser auf den Ausbruch
einer ähnlichen Epidemie vorzubereiten. Es dürfe
nicht versäumt werden, aus den Fehlern und Schwächen
im Kampf gegen Sars zu lernen und daraus Konsequenzen zu ziehen".
Seit etwa Mitte Juni 2003 hatte die Neuerkrankungsrate so stark
abgenommen, dass von einem Ende der SARS-Epidemie gesprochen
werden konnte. Bis zum 01.07.2003 waren weltweit 8.445 Menschen
erkrankt und 812 daran verstorben. Neben den rein medizinischen
Auswirkungen der Epidemie waren starke wirtschaftliche Einbrüche,
vor allem im Urlaubs-und Flugverkehr zu verzeichnen. Es muss
aber erfreulicherweise festgestellt werden, dass diese erste
große Epidemie des 21. Jahrhunderts, die durch ein anfangs
völlig unbekanntes Virus ausgelöst worden ist, nicht
zuletzt durch das sehr professionelle Verhalten der WHO, sehr
schnell beherrscht wurde. Außerdem ist es der Koordination
durch die WHO zu verdanken, dass das Virus in sehr kurzer Zeit
identifiziert werden konnte.
Der SARS Erreger
Bei dem Erreger handelt es sich um ein bisher beim Menschen
noch nicht beobachtetes Virus aus der Familie der Coronaviren.
Sein Genom wurde mittlerweile vollständig entschlüsselt.
Zwei bisher schon bekannte Vertreter dieser Viren-Familie wird
für etwa ein Drittel aller relativ harmlosen Erkältungserkrankungen
verantwortlich gemacht. Die Erreger „springen“ vom
Tier auf den Menschen und dies vor allem dort, wo Mensch und
Tier auf engstem Raum zusammen sind.

Am 22. Mai 2003 wurde
von Wissenschaftlern der Universität von Hongkong der
Verdacht geäußert, dass das Virus von der Zibetkatze
auf den Menschen übertragen wurde. Die Zibetkatze ist
vor allem in Südchina ein beliebtes Nahrungsmittel. InfektionswegDie Übertragung findet vor allem und unbestritten über
eine Tröpfcheninfektion bei engerem Kontakt zu einem Infizierten,
also über den Atemtrakt, statt. Aber in Hongkong wurde
ein ganzer Wohnblock mit über 100 Erkrankten unter Quarantäne
gestellt. Die Erkrankungsfälle von Personen, die im gleichen
Haus wohnen, ließen den Verdacht aufkommen, dass die
Krankheit ansteckender ist, als bislang angenommen. Nachdem
bisher davon ausgegangen wurde, dass es nur durch den engen
Kontakt mit einem Infizierten zu einer Ansteckung kommt, wird
mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen, dass sich der Erreger
des SARS auch über größere Entfernungen über
die Luft, über das Trinkwasser, Fäkalien oder sogar
die Klimaanlagen verbreiten könnte.
 Nach dem derzeitigen Wissensstand überlebt der Erreger
unter normalen Bedingungen außerhalb eines Organismus
mindestens 24 Stunden. Große Sorgen macht den Gesundheitsbehörden
und Ärzten die Tatsache, dass das Virus über einem
Monat nach einer Infektion immer noch, z.B. im Kot, der Betroffenen
nachweisbar ist. Bei Temperaturen über 56° C lässt
sich das Virus jedoch sehr gut inaktivieren. Dies ist z.B.
von Wichtigkeit, wenn jemand in den gefährdeten Gebieten
in Restaurants oder Imbissläden Speisen zu sich nimmt.
Es sollten daher nur heiße Speisen gegessen werden, weil
dann eventuell infiziertes Personal den Erreger nicht über
das Essen weiter geben kann.
Inkubationszeit
Die Zeit von einem infektiösen Kontakt bis zum Auftreten
der ersten Symptome beträgt nach dem derzeitigen Wissensstand
zwischen 2 - 7 Tagen, in sehr seltenen Fällen bis zu 12
Tagen. Infizierte Personen, bei denen es noch nicht zu Krankheitssymptomen
gekommen ist, gelten als nicht infektiös, ihre Umgebung,
vor allem auch Kinder, müssen daher keine Übertragung
befürchten. Es sei aber darauf hingewiesen, dass es auch
gegenteilige Auffassungen dazu gibt. Sollten sich innerhalb
von 12 Tagen nach der Rückkehr von einem Aufenthalt in
den gefährdeten Gebieten oder dem Kontakt mit einer infizierten
Person auch nur eines der aufgeführten Symptome bemerkbar
machen, ist sofort ein Arzt zu konsultieren.
SARS Symptome
Die folgenden Symptome werden bei der Erkrankung beobachtet,
dabei sind die Hauptsymptome:
- hohes Fieber (> 38°C)
- schwerer Husten
- Atemnot, kurzer Atem
- Halsschmerzen
Als weitere Symptome treten auf, bzw. können auftreten:
- Kopfschmerzen
- Muskelsteife
- Appetitlosigkeit
- Verwirrtheitszustände
- Durchfall
- Hautausschlag
- allgemeines Unwohlsein
SARS Diagnose
Die Diagnose ergibt sich in erster Linie aus dem klinischen
Bild. Weitere Hinweise können Kontakte mit bereits infizierten
Personen sein oder der vorherige Aufenthalt in derzeit betroffenen
Ländern. Im normalen Röntgen-Thoraxbild zeigt sich
das sehr diskrete Bild einer atypischen virusbedingten Pneumonie
(Lungenentzündung). Auffällig ist dabei die Diskrepanz
zwischen dem deutlichen klinischen Bild der Erkrankung und
dem sehr wenig ausgeprägten Röntgenbefund. Mit Hilfe
eines hoch auflösenden CT (high resolution CT) ist der
Befund erheblich deutlicher erkennbar. Mit einem relativ großen
zusätzlichen Aufwand ist mittlerweile auch ein direkter
Virusnachweis möglich.
 Der Schweizer Pharmakonzern Hoffman-La Roche will bis Ende
Juli einen Test zur Diagnose für Labore und Krankenhäuser
bereitstellen, der innerhalb einer Stunde ein eindeutiges Ergebnis
liefern soll. Das Verfahren beruht auf der gentechnischen Methode
der Polymerasen-Ketten (Chain)-Reaktion (PCR). Der Test soll
etwa 15 Dollar kosten und ist nur einmal zu verwenden. Der
Konzern hat bereits einen Antrag auf Zulassung bei der amerikanischen
Food and Drug Administration (FAD) gestellt. Die deutsche Biotechnologiefirma
Artus aus Hamburg bietet seit April 2003 einen gemeinsam mit
dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg entwickelten ähnlichen
Test an, der auf demselben Verfahren basiert, dessen Auswertung
aber noch rund doppelt so lange dauert.
SARS Therapie
Eine den Erreger bekämpfende Therapie existiert nicht.
Die Hoffnungen, dass das für die Therapie von Hepatitis
C verwendete Ribavirin mit dem Handelsnahmen Rebetol® eine
zumindest den Verlauf mildernde Wirkung zeigt, hat sich nicht
bestätigt. Man ist daher auf eine symptomatische und intensivmedizinische
Versorgung der Betroffenen angewiesen. Die Patienten werden
dabei streng isoliert und, zumindest in den Industrienationen,
rund um die Uhr betreut. Das medizinische Personal kommt mit
ihnen nur in Schutzanzügen und einem besonderen Atemschutz
(Respirator) in Kontakt.
SARS Häufigkeit (Stichtag 01.07.03)
Im Verlauf der Epidemie mit den ersten Erkrankungsfällen
vom 1. November 2002 bis zum 01.07.2003 (Ende der Epidemie
etwa Mitte Juni 2003) waren nach Angaben der WHO weltweit rund
8.445 Menschen erkrankt und 812 an der Erkrankung verstorben.
Am stärksten betroffen waren China (1,27 Milliarden Einwohner)
mit 5.327 Erkrankten und 348 Verstorbenen, Hongkong (6,6 Millionen
Einwohner) mit 1.755 Erkrankten und 298 Verstorbenen, Taiwan
( 22,1 Millionen Einwohner) mit 678 Erkrankten und 84 Verstorbenen,
Singapur (3,5 Millionen Einwohner) mit 206 Erkrankten und 32
Verstorbenen, sowie Kanada (30,8 Millionen Einwohner) mit 252
Erkrankten und 38 Verstorbenen. Im Bereich der 15 EU-Staaten
(376,8 Millionen Einwohner) gab es nur 38 Erkrankte mit keinem
Toten und in den USA (274,9 Millionen Einwohner) 73 Erkrankte
mit ebenfalls keinem Toten.
Letalität
Legt man die bisherigen weltweit bekannt gewordenen Zahlen
der WHO mit Stand vom 01.07.03 (insgesamt 8.445 Erkrankte und
812 Verstorbene), und bessere Zahlen gibt es sicherlich nirgends,
ohne weitere Wertung und Gewichtung, wie nach dem Alter, dem
Land, der Intensität der Behandlung u.ä., für
eine Berechnung der Sterblichkeit zugrunde, so beträgt
die Letalität rund 9,6%. Im Bereich der EU ist die Sterblichkeit
bisher exakt 0, dasselbe gilt für ganz Europa. In China
(5.327 Erkrankte und (348 Verstorbene) beträgt sie nur
rund 6,5%.. Davon weicht die Letalitätsrate in dem medizinisch
hoch entwickelten Kanada mit rund 15,1% (252 Erkrankte bei
38 Verstorbenen) ein Stück weit ab. Ein Grund für
diesen "Ausreißer" kann beispielsweise in den
geringen Fallzahlen der Erkrankung liegen! Auffallend und besorgniserregend
ist aber, dass nach einer Studie des Imperial College in London,
die in der Zeitschrift "Lancet"veröffentlicht
worden ist und beispielsweise von dem Frankfurter Virologen
Wolfgang Preiser bestätigt wurde, die Letalität bei
den über 60 jährigen Erkrankten derzeit bei ca. 40%
liegen soll. Damit wäre SARS für diese Altersgruppe
eine extrem gefährliche Erkrankung. An diesen Zahlen sind
aber gewisse Zweifel angebracht! Es sei außerdem daran
erinnert, dass die Sterblichkeit bei einer "normalen" Lungenentzündung
in den Krankenhäusern bei ca. 10% liegt.
SARS Prophylaxe
Als Prophylaxe besteht nur die Möglichkeit, sich in den
gefährdeten Gebieten von Menschenansammlungen fern zu
halten und anderen Menschen nicht zu nahe zu kommen, um sich
nicht über deren Husten u.ä. anzustecken. Eine medikamentöse
Prophylaxe besteht nicht. Einen guten Schutz vor einer Ansteckung
ist außerdem durch das Tragen eines geeigneten Mund-Nasenschutzes
gegeben. Allerdings kann ein Mundschutz die Gefahr, sich anzustecken,
lediglich verringern. Nach einer Empfehlung des Robert Koch-Instituts
in Berlin sollte der Mund- und Nasenschutz allerdings die Schutzklasse
FFP 3 (FFP = Filtering Face Pierce) besitzen, also einen weit
höheren Schutz bieten, als die üblichen OP-Masken.
Der sicherste Schutz gegen eine Viruserkrankung wäre
eine Impfung. Die Entwicklung eines Impfschutzes gegen SARS
wird aber vermutlich noch Jahre dauern.
SARS Prognose
Sofern die Krankheit überstanden wurde, ist in der Regel
nicht mit bleibenden Schäden zu rechnen. Bei vorgeschädigten
Menschen kann jedoch mit gewissen Lungenfunktionsstörungen
und Narbenbildungen in der Lunge gerechnet werden.
Quellenangabe: Medicine-Worldwide |