Nördlich des Tunnels liegt der Amah Rock,
Wahrzeichen von Sha Tin. Um den Felsen, in dem man mit Phantasie
eine Frau mit einem Kind auf dem Rücken erkennen kann,
ranken sich rührende Geschichten. Eine erzählt, dass
eine Fischersfrau, deren Mann nicht zurückgekommen war,
mit ihrem Kind auf dem Rücken jeden Abend den Hügel
hinauflief, um auf ihn zu warten. Schließlich hatten
die Götter ein Einsehen und verwandelten sie in einen
Felsen. Ihre Seele konnte so den Körper verlassen und
sich mit der ihres Mannes vereinen.

Auf den Hügeln um Sha Tin stehen viele religiöse Anlagen:
Der Che Kung Temple an der Che Kung Miu Road ist einem General
der Sung-Dynastie (960 bis 1279) gewidmet, der als Belohnung
für seine außerordentliche Tapferkeit nach seinem
Tod ins Pantheon der Götter aufgenommen wurde. Als Ende
der Ming-Zeit (1368 - 1644) in der Gegend eine Epidemie wütete,
baten die Dorfbewohner Che Kung erfolgreich um Hilfe. Aus Dankbarkeit
errichteten sie ihm den Tempel. Am dritten Tag des Chinesischen
Neujahrsfestes strömen alljährlich Zehntausende von
Gläubigen zum Che Kung Festival. Vor allem von Spielern
wird Che Kung eifrig besucht, die ihn inständig um Glück
bitten. Der Tempel liegt nur zehn Gehminuten südlich
vom KCR-Bahnhof Tai Wai. 
15 Minuten laufen Sie vom KCR-Bahnhof Tai Wai aus in östlicher
Richtung zum Tsang Tai Uk, dem "großen Haus des Herrn
Tsang". Es liegt in der Nähe von Tai Chung Kui Road
und Sha Kok Street und wurde 1840 als Festung des Tsang-Klans
erbaut. Interessant sind der hohe Schutzwall und die Ecktürmchen
mit dem Wok-Yee-Dächern (wok-yee bedeutet "Ohr einer
Bratpfanne"). Ein Dreizack auf jedem Türmchen sollte
Unheil abwehren.


Die Wohnungen innerhalb der Anlage blicken auf
einen zentralen Hof; zwei Brunnen sicherten die Wasserversorgung.
Der Sage nach verdankte die Familie Tsang ihren Reichtum
Piraten, die dem Familienoberhaupt einst mehrere mit Fischen
gefüllte
Krüge zur Aufbewahrung gaben. Doch die Piraten kamen nicht
zurück, und als die Fische zu stinken begannen, leerte man
die Krüge aus - und siehe da, darunter kamen Silbermünzen
zum Vorschein! Daraufhin beschlossen die Tsang, ein befestigtes
Dorf zu bauen, um sich zu schützen - für den Fall,
dass die Piraten doch zurückkämen und ihr Silber forderten.
Der Bau, so erzählt die Legende weiter, soll 20 Jahre
gedauert haben. Heute tragen nur noch wenige Familien im
Dorf den Namen
Tsang. 30 Minuten laufen Sie in nordwestlicher Richtung vom KCR-Bahnhof
Sha Tin zum 10000 Buddhas Monastry (Mat Fat Sze), das 1950
auf zwei Ebenen an einem Hang errichtet wurde. Allein 430 Stufen
müssen Sie erklimmen, bis Sie den unteren Teil der Anlage
erreichen.

Dort erhebt sich die Halle der 10000 Buddhas. Tatsächlich
sind es sogar fast 13000 winzige, mit Blattgold überzogene
Buddha-Figuren, die sich an den Wänden von oben bis unten
aufreihen. Vor der rückwärtigen Wand thronen drei große
Statuen: Koon Yum, die Göttin der Barmherzigkeit, Yao Shi
Fo, der Medizin-Buddha, und Di Zhang, der Gott über Erde
und Hölle. Weitere 70 Stufen führen zum oberen Teil
der Anlage. Dort ruht in der Yuet-Kai-Halle in einem Glassarg
der einbalsamierte Leichnam des Gründerabtes Yuet Kai, der
1965 im hohen Alter von 87 Jahren starb. Als der Körper
acht Monate später von den Mönchen exhumiert wurde
- wie es Yuet Kai vor seinem Tode selbst angeordnet hatte - konnte
man kaum Verfallserscheinungen feststellen. Der wundersame Leichnam
wurde daraufhin konserviert, mit Blatt bedeckt und am Fuße
der riesigen, 12 m hohen Buddha-Figur im Tempel in eine Vitrine
gesetzt. Von oben bietet sich eine überwältigende
Aussicht auf das Tal von Sha Tin. Auf einem anderen Hügel nordwestlich von Sha Tin, dem Tao
Fong Shan, errichteten 1931 Christen eine Mission. Ihr Gründer,
der Norweger Karl Ludwig Reichelt (1877 - 1952), hatte es sich
zur Lebensaufgabe gemacht, Buddhisten zum Christentum zu bekehren.
Das Gebäude, von wunderschönen Gärten umgeben,
ist im chinesischen Stil erbaut. Mönche, die vom Buddhismus
zum Christentum übertraten, bemalen Keramikgefäße
und tragen so zum Unterhalt der Mission bei. Vom KCR-Bahnhof
in Sha Tin laufen Sie eine halbe Stunde zur Mission. Einer der
Hauptanziehungspunkte von Sha Tin für die Hongkonger ist
zweifellos Sha Tin Racecourse, die zweite Pferderennbahn Hongkongs.
Auf über 100 ha neu gewonnenen Landes wurde sie als eine
der modernsten der Welt 1978 eröffnet. Für die wertvollen
Pferde wurden klimatisierte Ställe gebaut, die Zuschauertribüne
wurde für 70000 Rennsportfans konzipiert. Race Course ist
eine KCR-Station.
 

Nördlich von Sha Tin, auf halbem Weg nach Tai Po hat sich
1969 die Chinese University angesiedelt. Der Kampf um die 7000
Studienplätze der Fachrichtungen Betriebswirtschaft, Natur-
und Sozialwissenschaft sowie Humanmedizin ist hart. Sehenswert
ist die moderne Architektur und vor allem die Kunstgalerie; zu
den Sammlungen zählen alte Bronzesiegel, geschnitzte Jadeblumen,
Gemälde und Kalligraphien. |