Wenn Sie nach Yuen Long fahren wollen, nehmen
Sie die MTR bis Tsuen Wan und steigen dann in den Bus 68M.

Östlich von Yuen Long liegen einige Kam Tin des Tang-Klans,
die auf eine 500jährige Geschichte zurückblicken. Ein
Kam Tin ist ein befestigtes Dorf, das rundherum durch eine Mauer
mit Ecktürmen und Kanonen vor den Angriffen der Piraten
geschützt war. Kat Hing Wai ist das bekannteste, weshalb
es allgemein Kam Tin Village genannt wird. Die Tang-Familie leistete
den Briten 1898 erbitterten Widerstand - doch vergeblich. Als
Vergeltung ließen diese die schönen schmiedeeisernen
Torgitter bon Kat Hing Wai entfernen; 26 Jahre lang zierten sie
einen Park in Irland, bis sie 1925 wieder zurückgebracht
wurden. Im Dorf, dessen Mauer noch vollständig erhalten
ist, leben auch heute noch ausschließlich Mitglieder der
Familie Tang. Die Kommerzialisierung hat hier im Vergleich zu
anderen befestigten Dörfern am stärksten Einzug gehalten;
wer die Dorfbewohner fotografieren will, muß dafür
bezahlen.
Beim Dorf Ping Shan, westlich von Yuen Long (LTR-Verbindung),
erhebt sich Tsui Shing Lau, eine schlichte, aber elegante 200
Jahre alte Backsteinpagode. Einst soll sie sieben Stockwerke
gehabt haben, doch Taifune stutzten sie um vier.

Noch ein Stück weiter westlich liegt das ebenfalls von der
Tang-Familie gegründete Dorf Ha Tsuen, das Sie von Yuen
Long aus ebenfalls mit der LTR erreichen. Hier können Sie
eine hübsche Ahnenkultstätte aus dem 18. Jahrhundert
besuchen. Die grauen Ziegelsteinmauern umschließen zwei
Innenhöfe. Auf dem kunstvoll geschnitzten Altar im Haupttempel
symbolisieren zwei Holztafeln die konfuzianischen Tugenden der
Bruderliebe und des Respekts der Kinder gegenüber Eltern
und Ahnen. Direkt hinter dem Eingang verwehrt eine sogenannte
Geistermauer bösen Geistern - die nicht um die Ecke gehen
können - den Eintritt. Vor dem Eingang steht eine chinesische
Kanone aus dem 19. Jahrhundert; sie wurde 1979 in der Nähe
des Dorfes ausgegraben.
 Wenn Sie Richtung Norden weiterfahren, erreichen Sie das Fischerdorf
Lau Fau Shan. Es ist für seine Austernbänke bekannt
und für seine Fischrestaurants berühmt. Die Köstlichkeiten
aus dem Meer werden in Becken entlang der Straße präsentiert.
Der morgendliche Fischmarkt, auf dem sich fast alle Restaurants
von den New Territories und Kowloon mit Fischen und Krustentieren
eindecken, ist ein wahres Spektakel. Die meisten Bewohner von
Lau Fau Shan leben vom Austernfang; in letzter Zeit hat hier
jedoch die Wasserverschmutzung großen Schaden angerichtet:
Der Strand ist übersät von Schalen zugrunde gegangener
Austern.
Das Mai Po Marshes Bird Sanctuary an der Castle Peak Road,
nördlich von Yuen Long an der Grenze zur Volksrepublik
China gelegen, wurde vom World Wide Fund for Nature als Schutzgebiet
ausgewiesen. In den Tümpeln, Schlammzonen und Mangrovensümpfen
leben über 250 Vogelarten. Wer gerne Vögel beobachtet,
findet hier ein Eldorado - Zutritt wird aber nur mit Genehmigung
gewährt.

Das kleine Straßendorf San Tin an der Castle Peak Road
unweit der Mai Po Marshes wurde vom Man-Klan gegründet
und ist stolz auf fünf große Ahnentempel. Der älteste
stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und hat drei Hallen.
Die Dächer ruhen auf Steinsäulen und werden von schön
geschnitzten Sparren gestützt. Auf dem Hauptaltar sind
die Ahnentafeln angeordnet. Die jüngste Halle, 1972 errichtet,
hebt sich im Stil deutlich von den älteren ab. Ein Mitglied
des Man-Klans erwarb sich am Kaiserhof in Peking hohe Verdienste;
standesgemäß baute er sich daraufhin 1865 ein prachtvolles
Haus und nannte es Tai Fu Tai. Baumaterial war grauer Stein,
das Ziegeldach schmückten schimmernd glasierte Terrakotta-Figuren.
Auch auf herrliche Holzschnitzereien und Wandgemälde legte
der stolze Man großen Wert; und natürlich durfte
auch der Ahnenschrein nicht fehlen.
Mit finanzieller Unterstützung des Hong Kong Jockey Club
konnte das zweistöckige Haus vor kurzem meisterhaft restauriert
werden. Interessant ist auch ein Blick in die Küche mit
mehreren riesigen Öfen. Hinter dem Haus spenden uralte
Lychee-Bäume Schatten. |