Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Man Mo Temple

17.12.2003

Heritage Tour – Hongkong mal nicht auf eigene Faust …

Man kann natürlich alles auf eigene Faust erkunden, aber die eine oder andere geführte Tour ist sicherlich nicht das schlechteste, zumal die Touren hier nicht japangleich in Großbussen sondern in kleinen Gruppen bis maximal 16 Personen angeboten werden.

Nachdem ich ein reichhaltiges internationales Frühstück (inkl. Chinesischem Frühstück) zu mir nehmen konnte (schnell hat die Bedienung gemerkt dass ich viel Kaffee benötige) und meine Fotoausrüstung zusammengepackt habe, wartete ich in der Hotellobby darauf abgeholt zu werden. Zugegeben, ich bekam etwas Angst. Sollten wieder erwartend doch alle hier wartenden Personen mitkommen? Nein, zum Glück nicht. Auch nachdem mich unser Fremdenführer an dem aufgeklebten Touraufkleber erkannt hat mussten wir noch etwas warten. Ich nutzte die Zeit um die Lobby mal etwas genauer anzusehen.

Weihnachten versinkt in Hongkong schnell in Kitsch

Man sagt den Amerikanern bekanntlich nach Weihnachten in Kitsch versinken zu lassen. Den kitschigsten Weihnachtsbaum allerdings entdeckte ich nun in meiner Hotellobby. So viel Kunststoff auf einmal habe ich noch nie gesehen. Gut und gern 10 Bobby-Cars hätte man aus diesem Weihnachtsbaum bauen können …

Verlauf der Haritage Tour

Man Mo Temple und Tai Po Market

Erste Station nach einer guten halben Stunde Fahrt raus aus Hong Kong in die New Territories die auch zu HK gehören, erreichen wir das erste Ziel: Man Mo Temple und Tai Po Market

Eingang zum Man Mo Temple

Genau wurde uns alles erklärt – man sollte allerdings englisch können, denn die Reisegruppe ist international und die Sprache daher auch englisch. Nur selten gibt es Reiseführer die deutsch sprechen oder gar komplett in deutsch geführte Gruppen.

Fragen werden freundlich und ausführlich beantwortet, so dass man sich auch einen guten Eindruck von dem gezeigten Tempel machen kann. Auch dass nicht jeder Tempel gleich ist und den gleichen gewidmet ist, wird einem verständlich erklärt. Ob man sich dies allerdings alles merken kann ist eine ganz andere Sache. Wer sich also detaillierter für dieses Thema interessiert, tut gut daran sich entsprechende Literatur zu kaufen. Der Rauch und schwere Duft der Räucherstäbchen haben für mich als Europäer schon etwas mysthisches an sich. Zahlreich sind die Arten und Größen und die Prozedur die die Gläubigen durchlaufen wirkt ungewohnt. Eindrücke und Fotomotive bleiben hier ganz sicher nicht auf der Strecke – allerdings sollte man sich auch hier daran halten keine Personen direkt zur fotografieren. Nu ja, eigentlich auch selbstverständlich, denn man selbst würde sich sicherlich ebenfalls dagegen wehren wenn man zuhause betend in einer Kirche von Touristengruppen aus aller Welt fotografieren lassen „müßte“.

Geschäfte auf dem Tai Po Market

Für den Markt, der seit 1892 besteht erhalten wir 40 Minuten Zeit – sicherlich ausreichend Zeit für einen lokalen ländlichen Markt der aus einer langen Straße besteht, aber einen guten Eindruck des täglichen Lebens vermittelt. Immerhin gehen Hausfrauen hier zweimal täglich zum Einkaufen. Der morgentliche Gang zum Markt dient dazu dass Mittagessen zu kaufen, wohingegen der mittagliche Ausflug zum örtlichen Markt dazu dient ein Schwätzchen zu halten – getreu dem Motto „Markt ersetzt Yellow Press“. Immerhin erhalten hier einheimische Informationen direkt aus erster Hand – meißtens jedenfalls …

Fischhändler auf dem Tai Po Market

Auch in den eher ländlichen New Territories haben die Einwohner Gefrierschränke, doch sind diese nicht sonderlich beliebt. Alles muss frisch sein, ganz gleich ob Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch. Und da man mit dem Schlachten nicht gerade zimperlich ist, sollte man sich darauf einstellen etwas andere Formen von Metzger und Fischhändlern zu sehen. Ebenfalls seltsam werden einem einige Dinge vorkommen die hier angeboten werden. Chinesen essen immerhin alles, auch was bei uns als Abfallprodukt eingestuft werden würde.

Wishing Tree in Lam Tsuen

Unter dem Motto „Learn about the religious practice in spirit trees” fahren wir zu einem spirituellen Platz der nicht nur einen Tempel beheimatet, sondern auch den „Wunschbaum“.
Zugegeben, zuerst dachte ich jetzt kommt trotz guter Geschichte die Touristen-Verschaukelung … aber weit gefehlt.

Wishing Tree in Lam Tsuen

Die ganze Geschichte um den Wunschbaum sollte man sich vom Fremdenführer erklären lassen. In meinem Fall hieß er Sidney und konnte dies perfekt. Kurz gesagt, ist es ein Baum an dem sich gläubige und ungläubige etwas wünschen können. Hintergrund war die Suche eines gläubigen von auswärts, die allerdings erfolglos blieb.
Auf seiner Suche fragte er auch die Einheimischen, die ihm außer dem Rat sich es ich doch zu wünschen, keinen besseren Rat geben konnten. So entstand der „Wunschbaum“.

Man bekommt im Tempel ein paar Blatt Papier –alle bereits beschriftet und mir mangels fehlenden chinesisch Kenntnissen auch nicht bekannt. Erklärt wurde jedoch dass auf dem weißen Blatt eigene Wünsche hinzugefügt werden können.

Gesagt getan – eigene Wünsche auf das weiße Blatt gechrieben und Papier zusammenrollen. Das ganze bekommt dann noch eine Schnur an dessen Ende eine Orange ist (zum besseren Werfen). Nun gilt es das ganze so in Richtung Baum zu werfen, dass das Paket bestehend aus Wunschzetteln und Orange am Baum zwischen dem Geäst hängen bleibt. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit für die Meißten.

An Chinesisch Neujahr sollte man diesen Platz allerdings nicht aufsuchen, es sei denn man liebt es, hilflos in Menschenmassen eingekeilt zu sein. An den drei freien Tagen des chinesischen Neujahrsfestes, ist der Tempel und der Wunschbaum fest in der Hand der Einheimischen. Lange Wartezeiten müssten daher wohl oder über billigend in Kauf genommen werden.

Tang Chung Ling Ancestral Hall & Lo Wai Walled Village

Der Name gibt mehr her als dann geboten wird – sorry, aber hier wurde mir niht ganz klar warum wir uns diesen Platz ansehen, auch wenn dieser geschichtlich eine Rolle gespielt hat oder haben soll.

Das Walled Village war die erste Siedlung welche ummauert war – bei uns zu vergleichen mit einer Stadtmauer. Leider ist von dem ganzen nur recht wenig zu sehen und was zu sehen ist, ist in einem erbärmlichen Zustand.

Fest beim Lo Wai Walled Village

Die Tang Chung Ling Ancestral Hall ist wiederum ein Tempel, welcher durch den „Tang Clan“ erbaut wurde. Dieser war wohl sehr wohlhabend, was einem außenstehenden nicht ganz ersichtlich ist – erwartet man doch mehr wenn man dieses im Vorfeld hört.

Ganze Generationen sind im Tempel aufgelistet, sofern sich die Familie um das wohl der Gemeinde gekümmert hat. Sicherlich ein Grund, warum noch heute noch, sehr viele Familien zu dem alle 10 Jahre stattfindenden Fest sich nicht lumpen lassen wenn es um die Dekoration genau von diesem Fest geht.

Vielleicht haben wir diesen Ort ja aufgesucht, da genau heute dieses Fest wieder begangen wurde und das ganze Dorf ausgeschmückt war. Unser Reiseleiter gab sich erstaunt, was mir jedoch nicht ganz glaubhaft vorkam. Nun ja, es soll ja noch eine weitere Station auf dem Plan stehen …

Tai Fu Mandarin’s Mansion
Das opulente und stattliche Haus wurde im Jahre 1865 erbaut. Jetzt kann sich jeder ein Bild davon machen wie reiche Personen zu jener Zeit gelebt haben. Zugegeben etwas spartanisch – aber zumindest war dieses Bauwerk inklusive Küche und den historischen sanitären Anlagen in einem sehr gut restaurierten Zustand.

Innenhof des Tai Fu Mandarin’s Mansion

Wandverzierung am Tai Fu Mandarin’s Mansion

historische Küche im Tai Fu Mandarin’s Mansion

Verzierungen am Bauwerk und allein die Größe des Bauwerkes (gemessen daran dass es sich um eine Privatperson handelte) waren wirklich einmal etwas anderes un unerwatetes. Man kann es sicherlich nicht mit europäischen Herrenhäusern vergleichen, doch wird einem der Unterschied schnell klar, wenn man die zwar verfallen aber doch kleinen und einfachen Häuser des zuvor besuchten „Lo Wai Walled Village” noch vor Augen hat.

Der ganze Ausflug kostet knapp 300 HKD – also umgerechnet rund 30 Euro. Mehr ist der Ausflug auch nicht wert. Um jedoch einen geschicktlichen kleinen Überblick über die New Territories zu bekommen, ist sie durchaus geeignet. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxis hätte man mindestens genauso viel bezahlt, hätte die netten Erklärungen des Reiseleiters jedoch nicht gehabt – von der bequemen Form der Tour ganz zu schweigen, denn so wie man zur Tour abgeholt wird, wird man auch ins Hotel zurück gebracht.

Wer wirklich Natur pur der „New Territories“ sehen möchte, ist gänzlich falsch bei dieser Tour, denn die habe ich lediglich in weiter Ferne erahnen können ...




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