Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

belebte Seitenstraße auf Hong Kong Island

18.12.2003

Ein Tag auf Hong Kong Island

(oder der Versuch ein einem Tag so viel wie möglich zu sehen ...)

Hong Kong Park – eine weitere grüne Lunge Hongkongs

Ich bin viel zu spät aufgewacht und habe damit das Frühstück verpasst. In Hongkong sind alles Frühaufsteher, daher gibt es wie in meinem Hotel in der Regel nur bis 9.30 Uhr Frühtück. Ohne Kaffee und Frühstück mache ich mich auf den Weg in den Hong Kong Park.

An einer der zahlreichen Kreuzungen auf dem Weg – ich schaue wieder einmal in meinen Stadtplan – werde ich von einem freundlichen Herren angesprochen. „May I help You?“. Na klar – warum auch nicht. Ich möchte auf dem schnellsten Wege in den Hong Kong Park. Dies hat der nette man wohl sehr wörtlich genommen und eilt mit schnellen Schritten vor mir her und erzählt dabei dass er genug Zeit habe mich dorthin zu bringen. Nebenbei erfahre ich dass seine Schwester in Stuttgart an einem Krankenhaus arbeitet und die deutschen die besten Autos bauen. Es verwundert mich was man alles erfährt wenn man sagt woher man kommt ….

Im Park angekommen setzen wir uns auf eine Parkbank und vertiefen das Gespräch – genauer genommen er vertieft es. Seine Mutter sei sehr krank und seine Schwester (die, die in Stuttgart angeblich arbeitet) sei gerade in Hongkong und könnte noch etwas Hilfe und Informationen gebrauchen – ob ich nicht kurz mit ihm nach Hause kommen könnte, seine Mutter beruhigen und seiner Schwester helfen …

Jetzt kommt mir die freundliche Hilfe doch etwas „spanisch“ vor. Na klar – ich helfe gerne – aber ich möchte nicht mitkommen. Seine Schwester könne in den Park kommen, entgegne ich höflich. Ich erfahre darauf dass die Familie eigentlich aus Malaysia stamme – sogar sein Bruder ruft auf dem Handy des höflichen Mannes an und lädt mich nach Hause ein. Nachdem ich weiterhin darauf bestehe dass ich im Park bleiben möchte, hat der nette Herr kein Interesse mehr an mir. War ihm etwa klar geworden dass ich weder in einen asiatischen privaten Puff möchte noch eine Hochzeit anstrebe?

Ich bin also wieder allein – aber superschnell in den Hongkong Park gekommen. Alle Reisefüher beschreiben ihn als großen Park den man unbedingt gesehen haben muss. Zweiteres kann ich teilen – ersteres nicht, denn gemessen mit jedem anderen Stadtpark den ich kenne, ist der Hongkong Park vergleichsweise klein, wenn auch überaus interessant.


Stadtplan Hongkong © hot-maps

Einen Besuch von diesem Park sollte man sich ergo auf jeden Fall gönnen, zumal man es anders als ich, geschickt mit einem Besuch des Peak verbinden kann – liegt doch die Taltation gerade einmal eine Gehminute vom einem der Eingänge entfernt …

Vogelpark mit freifliegenden Vögeln (rund 600 Arten)

Ein für den Park großer Vogelpark mit freifliegenden Vögeln (rund 600 Arten) kann man im Baumkronenhöhe auf dafür angelegten Stegen durchlaufen. Allein dies ist bereits ein Besuch wert. Der restliche Park ist ebenfalls wunderschön angelegt und sehr gepflegt. Wasserfälle und Cascaden sowie ein kleiner See laden Kinder und Erwachsen Hongkongs geradezu dazu ein, dort die freie Zeit – und sei es nur die Mittagspause – zu verbringen.

Hong Kong Park

Wer es mag Menschen zu beobachten ist dort ebenfalls bestens aufgehoben. Feine Herren und Damen der Industrie wie jugendliche und Hausfrauen geben sich hier ein Stelldichein – absolut empfehlenwert.

Hilfe – die Banker haben Mittgspause
Nach dem Besuch des Parks möchte ich in einem der angrenzenden Bürokomplexen ein Mittagessen zu mir nehmen – im Park selbst war es mir zu teuer und immerhin bietet ein einziger Komplex in der Regel eine ausreichende und abwechslungsreiche Auswahl an Cafes und Restaurants.

Gesagt getan begebe ich mich in den nahen Asian Pacific Finance Tower. Drei Cafes, ein Imbissstand und zwei Restaurants allein im Erdgeschoss – super, nur ein paar Gehminuten vom Park und dem angrenzenden „Museum of Tea Ware“ entfernt eine solch große Auswahl zu relativ guten Preisen.

Ich stehe gerade vor einem der Restaurants um die Speisekarte zu studieren, als wohl die Mehrzahl der darin arbeitenden Menschen Mittagspause habe – Heuschreckenartig fallen Sie in das Erdgeschoss ein und stürzen sich in die einzelnen Lokale. Ich bekomme dennoch einen Platz, etwas zu Essen und einen wirklich wohlschmeckenden Kaffee, was für Hongkong (außgenommen der typischen chinesischen Lokalen) nicht unbedingt üblich ist.

Nach meinem kleinen, wenn auch wohlschmeckenen Mahl schreibe ich in Gedanken versunken meine ersten Postkarten. Nach der zweiten Postkarte spüre ich, dass es relativ still um mich herum geworden ist und blicke vorsichtig um mich. Deutsche Fließbandarbeiter hätten ihr Mittagessen nicht schneller zu sich nehmen können – nahezu alle Plätze waren wieder frei und die Menschen verschwunden. Wie konnten die sonst so genießerischen Menschen ihr Mittagsessen so in sich hinein hineinwerfen? Mir geht der Gedanke mit den Heuschrecken wieder durch den Kopf …

Alte Straßenbahnen
und ein ganz anderer Teil der Insel Hong Kong

Wer etwas ganz anderes erleben möchte, oder wem die Ruhe wieder zu viel geworden ist, der fährt am besten vom Central District (auch Anlegestelle der Fähre und bekanntlich nahe dem Hongkong Park) mit einer der alten Straßenbahnen Richtung Chai Wan oder Kennedy Town.

Die Fahrt ist mit 2 HK$ sehr billig und bietet dank Doppeldecker eine gute Aussicht auf die einzelnen Stadtviertel die durchfahren werden. Weg von den Glaspalästen in Viertel, die wieder vom „kleinen Handel" und dem täglichen Leben bestimmt werden. Diese Linie ist auch ein gutes Verkehrsmittel, um zu weiteren einzelnen Highlights Hongkongs zu gelangen.

Zuerst mag der deutsche Besucher genauso verwirrt sein wie ich. Welche Linie muss ich nehmen warum gibt es keine Fahrpläne und überhaupt wie funktioniert das Ganze überhaupt?
Im Grunde ist es ganz simpel. Die Nummern auf den Bahnen haben absolut nichts zu bedeuten und es kann durchaus sein, dass zwei Bahnen dieselbe Nummer haben, nicht aber dieselbe Strecke fahren. Zudem gibt es eigentlich nur eine Strecke – die wird aber von den einzelnen Bahnen nur teilweise oder ganz befahren ….
Bezahlt wird beim Aussteigen, indem man die 2 HK$ in einen Schlitz neben dem Fahrer wirft, nachdem man vor der Fahrt hinten eingestiegen ist (Stolze Besitzer der „Oktopus Card“ können natürlich bargeldlos bezahlen). Sitzplätze gibt es, nur meißtens viel zu wenige. Oben hat man die beste Aussicht, aber unter umständen auch nach der Fahrt starke Kopfschmerzen, wenn man an den zahlreichen Haltestelle seinen Kopf genauso zahlreich wegen Sitzplatzmangel angestoßen hat. Spätestens nach einer solchen Fahrt ist einem klar, dass der durchschnittliche Chinese nicht so groß gewachsen ist wie ein Deutscher oder Nordeuropäer.

Haltestelle bei Causeway Bay

Allen Shopping-Freunden sei ganz nebenbei noch gesagt, dass diese Linie auch an über „Causeway Bay“ fährt. „Causeway Bay“ ist eines der zahlreichen Shopping-Stadtvierteln in denen man schnell den Überblick verlieren kann, wie hoch die Kreditkarte schon belastet ist – bekommt man doch so viel schönes zum Einkaufen …

Spätestens nach der Haltestelle „Tin Hau“ an der man geschickt aussteigen möchte wenn man den gleichnamigen Tempel besuchen möchte, „verlässt“ man jeden kostenlosen Stadtplan den man als Tourist kostenlos in den Hotels bekommt und gelangt wieder in von einheimischen beherrschte Stadtviertel.

Richtig chinesisch Essen gehen
Die meisten Touristen und auch ich machen anfangs einen entscheidenden Fehler. Man achtet nur darauf, was einem beim Vorbeigehen auffällt und möchte nicht permanent von irgendwelchen Personen angesprochen werden, die einem scheinbar nur etwas verkaufen möchten.

Manchmal liegen die Schätze aber eben ein paar Stockwerke höher oder auch ein Stockwerk tiefer. Dabei ist es gleichgültig ob es sich dabei um Ladengeschäfte oder Restaurants handelt.

Da ich nun endlich „richtig“ chinesisch essen gehen wollte, machte ich mich diesmal mit offen Augen und Ohren auf die Tour. So dauerte es plötzlich gar nicht lange, dass ich im Stadtteil Kowloon das Restaurant „Wu Kong Shanghei Restaurant" in der Nathan Road 27-33 gefunden habe. Wie es in Hongkong oft üblich ist, hat man zu warten, bis man einen Platz zugewiesen bekommt, was allerdings ein paar Minuten auf sich warten lies – ich hatte ja nicht vorbestellt …


Stadtplan Hongkong © hot-maps
Website des Restaurants: http://www.wukong.com.hk

Ich bekam meinen Platz und wurde auch umgehend bedient. Der Service war freundlich, obwohl das Lokal brechend voll war und man eigentlich denken musste, dass jetzt das Personal ziemlich gestresst sein müsste.

Schnell merkte ich, dass ich mit Jeans und T-Shirt hier eigentlich falsch angezogen bin. In besseren Restaurants (wobei diese, wie in diesem Beispiel, nicht unbedingt teuer sein müssen) ist eine angemessene Kleidung angebracht (Schlips muss dabei nicht unbedingt sein).

In einem solchen Restaurant kann man sehr gut die eigentlichen Gepflogenheiten beobachten. Entweder es bestellt jeder am Tisch etwas anderes oder eine Person übernimmt für alle die Bestellung. Entgegen unseren Tischmanieren isst jeder von allen und allem – auch wenn jeder Einzelne zunächst scheinbar für sich bestellt hat.

Serviert wurde in diesem Lokal nur mit Stäbchen – ich habe nicht nach Besteck nachgefragt da mir das Essen mit Stäbchen eigentlich keine sonderlichen Probleme bereitet – Anfänger sollten sich drauf einstellen, dass es hier viel einfacher ist, als in Deutschland, da die Speisen nicht in der Soße liegen und somit relativ leicht mit Stäbchen zu fassen sind.

Größere Stücke, die nicht mit den Stäbchen getrennt werden können, werden einfach abgebissen und Knochen einfach wieder ausgespuckt oder wieder mit den Stäbchen aus dem Mund genommen. Dass viele Chinesen noch heute mit Schmatzen dem Koch huldigen, sollte einen nicht stören – immerhin werden wir auch nicht dumm angesehen, dass wir beim Essen nicht schmatzen.

Zum Glück war ich nicht der Einzige in diesem Restaurant, der die servierte Portion nicht schaffte – wenngleich es mich ebenso verwunderte dass zum Teil Personen, die vielleicht einmal die Hälfte meiner Gewichtsklasse haben, zum Teil das doppelte Essen konnten. Bezahlt habe ich umgerechnet nicht einmal 10 Euro. Liebhaber von Krabben, Hummer oder Ähnlichem kommen jedoch ein wenig teurer weg.




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