Hong Kong Park – eine weitere grüne
Lunge Hongkongs
Ich bin viel zu spät aufgewacht und habe damit das Frühstück
verpasst. In Hongkong sind alles Frühaufsteher, daher
gibt es wie in meinem Hotel in der Regel nur bis 9.30 Uhr Frühtück.
Ohne Kaffee und Frühstück mache ich mich auf den
Weg in den Hong Kong Park.
An einer der zahlreichen Kreuzungen auf dem Weg – ich
schaue wieder einmal in meinen Stadtplan – werde ich
von einem freundlichen Herren angesprochen. „May I help
You?“. Na klar – warum auch nicht. Ich möchte
auf dem schnellsten Wege in den Hong Kong Park. Dies hat der
nette man wohl sehr wörtlich genommen und eilt mit schnellen
Schritten vor mir her und erzählt dabei dass er genug
Zeit habe mich dorthin zu bringen. Nebenbei erfahre ich dass
seine Schwester in Stuttgart an einem Krankenhaus arbeitet
und die deutschen die besten Autos bauen. Es verwundert mich
was man alles erfährt wenn man sagt woher man kommt ….
Im Park angekommen setzen wir uns auf eine Parkbank und vertiefen
das Gespräch – genauer genommen er vertieft es.
Seine Mutter sei sehr krank und seine Schwester (die, die in
Stuttgart angeblich arbeitet) sei gerade in Hongkong und könnte
noch etwas Hilfe und Informationen gebrauchen – ob ich
nicht kurz mit ihm nach Hause kommen könnte, seine Mutter
beruhigen und seiner Schwester helfen …
Jetzt kommt mir die freundliche Hilfe doch etwas „spanisch“ vor.
Na klar – ich helfe gerne – aber ich möchte
nicht mitkommen. Seine Schwester könne in den Park kommen,
entgegne ich höflich. Ich erfahre darauf dass die Familie
eigentlich aus Malaysia stamme – sogar sein Bruder ruft
auf dem Handy des höflichen Mannes an und lädt mich
nach Hause ein. Nachdem ich weiterhin darauf bestehe dass ich
im Park bleiben möchte, hat der nette Herr kein Interesse
mehr an mir. War ihm etwa klar geworden dass ich weder in einen
asiatischen privaten Puff möchte noch eine Hochzeit anstrebe?
Ich bin also wieder allein – aber superschnell in den
Hongkong Park gekommen. Alle Reisefüher beschreiben ihn
als großen Park den man unbedingt gesehen haben muss.
Zweiteres kann ich teilen – ersteres nicht, denn gemessen
mit jedem anderen Stadtpark den ich kenne, ist der Hongkong
Park vergleichsweise klein, wenn auch überaus interessant.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Einen Besuch von diesem Park sollte man sich ergo auf jeden
Fall gönnen, zumal man es anders als ich, geschickt mit
einem Besuch des Peak verbinden kann – liegt doch die
Taltation gerade einmal eine Gehminute vom einem der Eingänge
entfernt …

Ein für den Park großer Vogelpark mit freifliegenden
Vögeln (rund 600 Arten) kann man im Baumkronenhöhe
auf dafür angelegten Stegen durchlaufen. Allein dies ist
bereits ein Besuch wert. Der restliche Park ist ebenfalls wunderschön
angelegt und sehr gepflegt. Wasserfälle und Cascaden sowie
ein kleiner See laden Kinder und Erwachsen Hongkongs geradezu
dazu ein, dort die freie Zeit – und sei es nur die Mittagspause – zu
verbringen.

Wer es mag Menschen zu beobachten ist dort ebenfalls bestens
aufgehoben. Feine Herren und Damen der Industrie wie jugendliche
und Hausfrauen geben sich hier ein Stelldichein – absolut
empfehlenwert.
Hilfe – die Banker haben Mittgspause
Nach dem Besuch des Parks möchte ich in einem der angrenzenden
Bürokomplexen ein Mittagessen zu mir nehmen – im
Park selbst war es mir zu teuer und immerhin bietet ein einziger
Komplex in der Regel eine ausreichende und abwechslungsreiche
Auswahl an Cafes und Restaurants.
Gesagt getan begebe ich mich in den nahen Asian Pacific Finance
Tower. Drei Cafes, ein Imbissstand und zwei Restaurants allein
im Erdgeschoss – super, nur ein paar Gehminuten vom Park
und dem angrenzenden „Museum of Tea Ware“ entfernt
eine solch große Auswahl zu relativ guten Preisen.
Ich stehe gerade vor einem der Restaurants um die Speisekarte
zu studieren, als wohl die Mehrzahl der darin arbeitenden Menschen
Mittagspause habe – Heuschreckenartig fallen Sie in das
Erdgeschoss ein und stürzen sich in die einzelnen Lokale.
Ich bekomme dennoch einen Platz, etwas zu Essen und einen wirklich
wohlschmeckenden Kaffee, was für Hongkong (außgenommen
der typischen chinesischen Lokalen) nicht unbedingt üblich
ist.
Nach meinem kleinen, wenn auch wohlschmeckenen Mahl schreibe
ich in Gedanken versunken meine ersten Postkarten. Nach der
zweiten Postkarte spüre ich, dass es relativ still um
mich herum geworden ist und blicke vorsichtig um mich. Deutsche
Fließbandarbeiter hätten ihr Mittagessen nicht schneller
zu sich nehmen können – nahezu alle Plätze
waren wieder frei und die Menschen verschwunden. Wie konnten
die sonst so genießerischen Menschen ihr Mittagsessen
so in sich hinein hineinwerfen? Mir geht der Gedanke mit den
Heuschrecken wieder durch den Kopf …
Alte Straßenbahnen
und ein
ganz anderer Teil der Insel Hong Kong
Wer etwas ganz anderes erleben möchte, oder wem die Ruhe
wieder zu viel geworden ist, der fährt am besten vom Central
District (auch Anlegestelle
der Fähre und bekanntlich
nahe dem Hongkong Park) mit einer der alten Straßenbahnen
Richtung Chai Wan oder Kennedy Town.
Die Fahrt ist mit 2 HK$ sehr billig und bietet dank Doppeldecker
eine gute Aussicht auf die einzelnen Stadtviertel die durchfahren
werden. Weg von den Glaspalästen in Viertel, die wieder
vom „kleinen Handel" und dem täglichen Leben
bestimmt werden. Diese Linie ist auch ein gutes Verkehrsmittel,
um zu weiteren einzelnen Highlights Hongkongs zu gelangen.
Zuerst mag der deutsche Besucher genauso verwirrt sein wie
ich. Welche Linie muss ich nehmen warum gibt es keine Fahrpläne
und überhaupt wie funktioniert das Ganze überhaupt?
Im Grunde ist es ganz simpel. Die Nummern auf den Bahnen haben
absolut nichts zu bedeuten und es kann durchaus sein, dass
zwei Bahnen dieselbe Nummer haben, nicht aber dieselbe Strecke
fahren. Zudem gibt es eigentlich nur eine Strecke – die
wird aber von den einzelnen Bahnen nur teilweise oder ganz
befahren ….
Bezahlt wird beim Aussteigen, indem man die 2 HK$ in einen
Schlitz neben dem Fahrer wirft, nachdem man vor der Fahrt hinten
eingestiegen ist (Stolze Besitzer der „Oktopus Card“ können
natürlich bargeldlos bezahlen). Sitzplätze gibt es,
nur meißtens viel zu wenige. Oben hat man die beste Aussicht,
aber unter umständen auch nach der Fahrt starke Kopfschmerzen,
wenn man an den zahlreichen Haltestelle seinen Kopf genauso
zahlreich wegen Sitzplatzmangel angestoßen hat. Spätestens
nach einer solchen Fahrt ist einem klar, dass der durchschnittliche
Chinese nicht so groß gewachsen ist wie ein Deutscher
oder Nordeuropäer.

Allen Shopping-Freunden sei ganz nebenbei noch gesagt, dass
diese Linie auch an über „Causeway Bay“ fährt. „Causeway
Bay“ ist eines der zahlreichen Shopping-Stadtvierteln
in denen man schnell den Überblick verlieren kann, wie
hoch die Kreditkarte schon belastet ist – bekommt man
doch so viel schönes zum Einkaufen …
Spätestens nach der Haltestelle „Tin Hau“ an
der man geschickt aussteigen möchte wenn man den gleichnamigen
Tempel besuchen möchte, „verlässt“ man
jeden kostenlosen Stadtplan den man als Tourist kostenlos in
den Hotels bekommt und gelangt wieder in von einheimischen
beherrschte Stadtviertel.
Richtig chinesisch Essen gehen
Die meisten Touristen und auch ich machen anfangs einen entscheidenden
Fehler. Man achtet nur darauf, was einem beim Vorbeigehen
auffällt und möchte nicht permanent von irgendwelchen
Personen angesprochen werden, die einem scheinbar nur etwas
verkaufen möchten.
Manchmal liegen die Schätze aber eben ein paar Stockwerke
höher oder auch ein Stockwerk tiefer. Dabei ist es gleichgültig
ob es sich dabei um Ladengeschäfte oder Restaurants handelt.
Da ich nun endlich „richtig“ chinesisch essen
gehen wollte, machte ich mich diesmal mit offen Augen und Ohren
auf die Tour. So dauerte es plötzlich gar nicht lange,
dass ich im Stadtteil Kowloon das Restaurant „Wu Kong
Shanghei Restaurant" in der Nathan Road 27-33 gefunden
habe. Wie es in Hongkong oft üblich ist, hat man zu warten,
bis man einen Platz zugewiesen bekommt, was allerdings ein
paar Minuten auf sich warten lies – ich hatte ja nicht
vorbestellt …

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Website des Restaurants: http://www.wukong.com.hk
Ich bekam meinen Platz und wurde auch umgehend bedient. Der
Service war freundlich, obwohl das Lokal brechend voll war
und man eigentlich denken musste, dass jetzt das Personal ziemlich
gestresst sein müsste.
Schnell merkte ich, dass ich mit Jeans und T-Shirt hier eigentlich
falsch angezogen bin. In besseren Restaurants (wobei diese,
wie in diesem Beispiel, nicht unbedingt teuer sein müssen)
ist eine angemessene Kleidung angebracht (Schlips muss dabei
nicht unbedingt sein).
In einem solchen Restaurant kann man sehr gut die eigentlichen
Gepflogenheiten beobachten. Entweder es bestellt jeder am Tisch
etwas anderes oder eine Person übernimmt für alle
die Bestellung. Entgegen unseren Tischmanieren isst jeder von
allen und allem – auch wenn jeder Einzelne zunächst
scheinbar für sich bestellt hat.
Serviert wurde in diesem Lokal nur mit Stäbchen – ich
habe nicht nach Besteck nachgefragt da mir das Essen mit Stäbchen
eigentlich keine sonderlichen Probleme bereitet – Anfänger
sollten sich drauf einstellen, dass es hier viel einfacher
ist, als in Deutschland, da die Speisen nicht in der Soße
liegen und somit relativ leicht mit Stäbchen zu fassen
sind.
Größere Stücke, die nicht mit den Stäbchen
getrennt werden können, werden einfach abgebissen und
Knochen einfach wieder ausgespuckt oder wieder mit den Stäbchen
aus dem Mund genommen. Dass viele Chinesen noch heute mit Schmatzen
dem Koch huldigen, sollte einen nicht stören – immerhin
werden wir auch nicht dumm angesehen, dass wir beim Essen nicht
schmatzen.
Zum Glück war ich nicht der Einzige in diesem Restaurant,
der die servierte Portion nicht schaffte – wenngleich
es mich ebenso verwunderte dass zum Teil Personen, die vielleicht
einmal die Hälfte meiner Gewichtsklasse haben, zum Teil
das doppelte Essen konnten. Bezahlt habe ich umgerechnet nicht
einmal 10 Euro. Liebhaber von Krabben, Hummer oder Ähnlichem
kommen jedoch ein wenig teurer weg. |