Wenn ich in fremden Ländern unterwegs bin,
dann möchte ich eigentlich nicht wie ein typischer Tourist
wirken – zuweilen kann dies sehr peinlich wirken. Zugegeben,
in Hongkong ist es schwer nicht aufzufallen, vor allem dann,
wenn man wie ich blonde Haare hat und dann auch noch morgens
beim Frühstück im Hotel, Reiseführer und Stadtpläne
studiert.
Genau bei diesem morgentlichen Studium, bin ich in einem Reiseführer
auf ein angeblich besonderes Highlicht gestoßen.
Zitat: „Central District und Admiralty. Im Kern der
britischen Siedlung Victoria, wie man die Stadt auf der Insel
Hongkong einst nannte, drängen sich heute die Bürohochhäuser.
Kilometerlweit können Sie über Brücken und Gebäude
hindurchlaufen, ohne auf das Straßennivau hinabsteigen
zu müssen.“
Da dieser Absatz unter „Sehenswertes“ stand, habe
ich mir natürlich etwas einzigartiges für Hongkong
und im Allgemeinen vorgestellt. Wie es sich später heraus
stellen sollte, stimmt dies nur bedingt und wer einmal kreuz
und quer durch Hongkongs Straßenschluchten gewandert
ist, wird auch im Nachhinein feststellen, dass dies nicht nur
im Central District der Fall ist. Spätestens jedoch, wenn
man seine eigenen Routen in Nachhinein betrachtet, wird es
einem als vollkommen normal vorkommen, dass man Straßenübergänge
nicht nur in Form von Zebrastreifen und Ampeln suchte.
Nun, bei meinem morgentlichen Studium im Hotel, bei einem
reichhaltigen Frühstück und jeder Menge Kaffee wußte
ich dies noch nicht und markierte auf meinem Touristenstadtplan
die wohl markantesten Stellen. Sehenswertes möchte ich
immerhin nicht verpassen …

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Kilometerweite Wege zwischen Hochhäusern
Nachdem ich mit der Star Ferry von Kowloon nach Central übergesetzt
haben, mache ich mich auf die Suche nach den kilometerlangen Übergängen
zwischenn den einzelnen Hochhäusern. Irgendwie hat dies
vor meinem geistigen Auge anders ausgesehen, denn ich sehe
und finde nur „normale“ Fußgängerüberwege,
die gerade einmal etwas höher liegen als die Doppelstock-Busse
und Straßenbahnen hoch sind. Da ich jedoch nichts anderes
finde, ganz gleich wie ich auch suche, bin ich wohl am Ziel
meiner Suche nach dieser Sehenswürdigkeit angekommen.
Zugegeben – nicht zwischen dem Verkehr wandeln zu müssen
ist eine feine Sache, es jedoch als eine Sehenswürdigkeit
heraus zu heben finde ich zunächst etwas übertrieben.
Vielleicht liegt es ja daran, dass es sich heute um einen normalen
Wochentag handelt.
Sonntags gehören die die Fußgängerbrücken
und Gehwege den philippinischen Hausmädchen.
In Hongkong hat bald jeder ein Hausmädchen – auch
wenn es nur eine 2-Zimmer Wohnung hat. Diese haben alles andere
als eine 40-Stunden-Woche und nur an Sonntagen und Feiertagen
frei. Genau an diesen Tagen lohnt es sich die Gänge und
Fußgängerbrücken in Central aufzusuchen, denn
dann veranstalten wohl alle philippinischen Hausmädchen
genau hier ein gigantischesch Picknick.
Es scheint nicht aufhören zu wollen, die Pappkarton-Parzellen
auf denen es sich diese zusammengekauert bequem gemacht haben
um sich auszutauschen und miteinander zu essen. Auch scheint
es ihnen nichts auszumachen, dass sich zwischen sie hindurch
die anderen hindurchschlängeln – zumindest merkt
man es ihnen nicht an.
Etwas gefrustet über den Reiseführer, verlasse ich
die Übergänge um ein weiteres Highlight Hongkongs
aufzusuchen.
The Escalator
Der Escalator (Rolltreppe) ist eine clevere Einrichtung zwischen
Central und den Mid-Levels. Eine insgesamt 792 Meter lange
Kette von Rolltreppen, die alle Straßen zwischen Queen’s
Road und Conduit Street miteinander verbindet. Für Fußgänger
und damit auch für fußmüde Touristen ist
dies die einfachte Möglichkeit, die steilen Straßenzüge
in Central, Mid-Level und SoHo zu bewältigen. Der Escalator
fährt bis Mitternacht nach oben, im morgendlichen Berufsverkehr
hingegen nach unten.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Insgesamt haben alle Rolltreppen eine länge von über
800 Metern und überwinden einen Höhenunterschied
von 140 Metern. Dies macht den Escalator zur „längsten
Rolltreppe der Welt“, wie es in einigen Reiseführern
genannt wird.

Durch die langsame Fahrgeschwindigkeit des Escalators und
den zahlreichen Unterbrechungen die einem das „Zusteigen“ und
Verlassen des Ecalators ermöglichen, bekommt man einen
sehr guten Überblick über Restaurants, Shops und
den einzelnen Straßenzügen. Als „Verkehrsmittel“ ist
es absolut tauglich und bequem. Vor allem wenn man von den
Mid-Levels die Straßen hinab nach Central durchqueren
will, ist der Ecalator erste Wahl um erst einmal nach oben
zu den Mid-Levels zu kommen.
 Der Escalator empfiehlt sich ebenfalls für einen Besuch
der Antiquitätengeschäfte und des Man Mo Temple in
der Hollywood Road und des Restaurantviertels SoHo.
Besonders beeindrucken waren für mich auch die zahlreichen
Wohn-Hochhäuser die zum Teil Zahnstochergleich links und rechts
neben dem Escalator "aufgestellt" sind. Seltsam, dass diese
dünnen Gebäude nicht einfach umknicken ...
Man Mo Temple
Wenn man schon mit dem Escalator unterweg ist, oder sich
aus anderen Gründen in SoHo herum treibt, dann sollte man,
sofern man noch nicht genug Tempel gesehen hat, sich den „Man
Mo Temple“ am Ende der Hollywood Road ansehen.
 
Stadtplan Hongkong © hot-maps
Der vielbesuchte Tempel in der Gegend der Antiquitätenhändler
besteht aus drei Gebäuden:
Wen Chang, der Gott der Literaten und General Guan Yu (beliebter
Schutzpatron) sitzen weihrauchgeschwärzt in prächtigem
Ornat im Hauptschrein und bilden dort das namengebende Zwiegespann
für das ziviele (kantonisisch: man) und das Militärische
(kantonesisch: mo). Links außen steht Bao Gong, der Gott
der Gerechtigkeit und ihm entgegen ganz rechts der Stadtgott.
Besonders schön sind die Gottessänften, das glänzende
Messinggerät sowie der geschnitzte Altartisch.
Im benachbarten Lit Shing Kung ist Guanyin, die Hauptgottheit
untergebracht. Ganz rechts wurde 1994 ein Ahnentempel errichtet,
in dem sich auch die Wahrsager aufhalten. Im weiter hinten
liegenden Raum hinter einer „Geisterwand“ findest
man eine „Geistertafel“ mit den Namen bereits verstorbener.
Ein Platz auf dieser tafel kostet bis zu 180.000 HK$. Die Erlöse
daraus gehen an ein Spital.

Das düstere, rotgoldene Innere des Tempels aus den 40er
Jahren des 19 Jahrhunderts, ist stehts mit dicken Sandelholz-Rauchschwaden
der riesigen Räucherstäbchen-Spiralen an der decke,
vernebelt.
Diese Spiralen glühen bis zu vier Wochen lang – gegen
eine entsprechende Spende ist es auch Ihnen als Besucher möglich
eine solche Spirale zu erweben, mit Wünschen auszustatten
und aufhängen zu lassen. Wundern Sie sich jedoch nicht,
wenn dies nicht umgehend erfolgt, denn es geht der reihe nach
und meißtens wollen mehr Einheimische und Besucher eine
solhe Spirale aufgehängt haben als dafür Platz vorhanden
ist.
Der Tempel ist zwei Gottheiten geweiht – dem Literaturgott
Man und dem Kriegsgott Mo.
Einige Szenen aus dem Film „Die Welt der Suzie Wong“ wurden
hier gedreht.
Hong Kong Convention und Exhibition Centre
Genug von Straßenschluchten und Tempel erwäge ich
eine weitere Attraktion von Hongkong aufzusuchen – das
Hong Kong Convention und Exhibition Centre welches in unmittelbarer
Nähe zum Central Plaza steht, von dem man eine ausgezeichnete
Weitsicht über den Victoria Habour hat.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Als Grundstück mußte, wie so oft in Hongkong – das
Meer herhalten, indem es an dieser Stelle aufgeschüttet
wurde. Was der Hafen somit verlor, hat die Stadt an architektonischem
Glanz gewonnen. Die gläserne Umhüllung der hohen,
hellen Innenräume gestattet einen großartigen Blick
und die geschwungene Form des Daches erinnert an einen rießigen
Vogel. Die zahlreichen Auditorien und Konferenzsäle starken
die Stellung Hongkongs im internationalen Wettbewerb um Messen
und Kongresse.
 Leider ist das Fotografieren innerhalb der Hong Kong Convention
und Exhibition Centre verboten, doch bieten sich für 2Fotosammler“ auch
vor dem Hong Kong Convention und Exhibition Centre zahlreiche
Möglichkeiten – vor allem dann, wenn man den Besuch
auf den Abend verlegt, an dem das Gebäude in zahlreichen
Farben angestrahlt wird. Zudem hat man von hier einen nahezu
ungehinderten Blick aif das ITC-Gebäude in Central, was
für sich schon mehr als nur ein Foto gut ist. |