Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Hochhuser neben dem Escalator

19.12.2003

Wer schreibt eigentlich diese bescheuerten Reiseführer?

Manchmal muss man sich wirklich wundern was in Reiseführer so als Highlight empfohlen wird – auch ich bin darauf herein gefallen…

Wenn ich in fremden Ländern unterwegs bin, dann möchte ich eigentlich nicht wie ein typischer Tourist wirken – zuweilen kann dies sehr peinlich wirken. Zugegeben, in Hongkong ist es schwer nicht aufzufallen, vor allem dann, wenn man wie ich blonde Haare hat und dann auch noch morgens beim Frühstück im Hotel, Reiseführer und Stadtpläne studiert.

Genau bei diesem morgentlichen Studium, bin ich in einem Reiseführer auf ein angeblich besonderes Highlicht gestoßen.

Zitat: „Central District und Admiralty. Im Kern der britischen Siedlung Victoria, wie man die Stadt auf der Insel Hongkong einst nannte, drängen sich heute die Bürohochhäuser. Kilometerlweit können Sie über Brücken und Gebäude hindurchlaufen, ohne auf das Straßennivau hinabsteigen zu müssen.“

Da dieser Absatz unter „Sehenswertes“ stand, habe ich mir natürlich etwas einzigartiges für Hongkong und im Allgemeinen vorgestellt. Wie es sich später heraus stellen sollte, stimmt dies nur bedingt und wer einmal kreuz und quer durch Hongkongs Straßenschluchten gewandert ist, wird auch im Nachhinein feststellen, dass dies nicht nur im Central District der Fall ist. Spätestens jedoch, wenn man seine eigenen Routen in Nachhinein betrachtet, wird es einem als vollkommen normal vorkommen, dass man Straßenübergänge nicht nur in Form von Zebrastreifen und Ampeln suchte.

Nun, bei meinem morgentlichen Studium im Hotel, bei einem reichhaltigen Frühstück und jeder Menge Kaffee wußte ich dies noch nicht und markierte auf meinem Touristenstadtplan die wohl markantesten Stellen. Sehenswertes möchte ich immerhin nicht verpassen …


Stadtplan Hongkong © hot-maps

Kilometerweite Wege zwischen Hochhäusern
Nachdem ich mit der Star Ferry von Kowloon nach Central übergesetzt haben, mache ich mich auf die Suche nach den kilometerlangen Übergängen zwischenn den einzelnen Hochhäusern. Irgendwie hat dies vor meinem geistigen Auge anders ausgesehen, denn ich sehe und finde nur „normale“ Fußgängerüberwege, die gerade einmal etwas höher liegen als die Doppelstock-Busse und Straßenbahnen hoch sind. Da ich jedoch nichts anderes finde, ganz gleich wie ich auch suche, bin ich wohl am Ziel meiner Suche nach dieser Sehenswürdigkeit angekommen.
Zugegeben – nicht zwischen dem Verkehr wandeln zu müssen ist eine feine Sache, es jedoch als eine Sehenswürdigkeit heraus zu heben finde ich zunächst etwas übertrieben. Vielleicht liegt es ja daran, dass es sich heute um einen normalen Wochentag handelt.

Sonntags gehören die die Fußgängerbrücken und Gehwege den philippinischen Hausmädchen.
In Hongkong hat bald jeder ein Hausmädchen – auch wenn es nur eine 2-Zimmer Wohnung hat. Diese haben alles andere als eine 40-Stunden-Woche und nur an Sonntagen und Feiertagen frei. Genau an diesen Tagen lohnt es sich die Gänge und Fußgängerbrücken in Central aufzusuchen, denn dann veranstalten wohl alle philippinischen Hausmädchen genau hier ein gigantischesch Picknick.
Es scheint nicht aufhören zu wollen, die Pappkarton-Parzellen auf denen es sich diese zusammengekauert bequem gemacht haben um sich auszutauschen und miteinander zu essen. Auch scheint es ihnen nichts auszumachen, dass sich zwischen sie hindurch die anderen hindurchschlängeln – zumindest merkt man es ihnen nicht an.

Etwas gefrustet über den Reiseführer, verlasse ich die Übergänge um ein weiteres Highlight Hongkongs aufzusuchen.

The Escalator
Der Escalator (Rolltreppe) ist eine clevere Einrichtung zwischen Central und den Mid-Levels. Eine insgesamt 792 Meter lange Kette von Rolltreppen, die alle Straßen zwischen Queen’s Road und Conduit Street miteinander verbindet. Für Fußgänger und damit auch für fußmüde Touristen ist dies die einfachte Möglichkeit, die steilen Straßenzüge in Central, Mid-Level und SoHo zu bewältigen. Der Escalator fährt bis Mitternacht nach oben, im morgendlichen Berufsverkehr hingegen nach unten.


Stadtplan Hongkong © hot-maps

Insgesamt haben alle Rolltreppen eine länge von über 800 Metern und überwinden einen Höhenunterschied von 140 Metern. Dies macht den Escalator zur „längsten Rolltreppe der Welt“, wie es in einigen Reiseführern genannt wird.

Zugang zum Escalator in Central

Durch die langsame Fahrgeschwindigkeit des Escalators und den zahlreichen Unterbrechungen die einem das „Zusteigen“ und Verlassen des Ecalators ermöglichen, bekommt man einen sehr guten Überblick über Restaurants, Shops und den einzelnen Straßenzügen. Als „Verkehrsmittel“ ist es absolut tauglich und bequem. Vor allem wenn man von den Mid-Levels die Straßen hinab nach Central durchqueren will, ist der Ecalator erste Wahl um erst einmal nach oben zu den Mid-Levels zu kommen.

Im Escalator außerhalb der Rushhour

Der Escalator empfiehlt sich ebenfalls für einen Besuch der Antiquitätengeschäfte und des Man Mo Temple in der Hollywood Road und des Restaurantviertels SoHo.

Besonders beeindrucken waren für mich auch die zahlreichen Wohn-Hochhäuser die zum Teil Zahnstochergleich links und rechts neben dem Escalator "aufgestellt" sind. Seltsam, dass diese dünnen Gebäude nicht einfach umknicken ...

Man Mo Temple
Wenn man schon mit dem Escalator unterweg ist, oder sich aus anderen Gründen in SoHo herum treibt, dann sollte man, sofern man noch nicht genug Tempel gesehen hat, sich den „Man Mo Temple“ am Ende der Hollywood Road ansehen.

Der Man Mo Temple von der Straße aus gesehen

Lageplan Man Mo Temple
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Der vielbesuchte Tempel in der Gegend der Antiquitätenhändler besteht aus drei Gebäuden:
Wen Chang, der Gott der Literaten und General Guan Yu (beliebter Schutzpatron) sitzen weihrauchgeschwärzt in prächtigem Ornat im Hauptschrein und bilden dort das namengebende Zwiegespann für das ziviele (kantonisisch: man) und das Militärische (kantonesisch: mo). Links außen steht Bao Gong, der Gott der Gerechtigkeit und ihm entgegen ganz rechts der Stadtgott.
Besonders schön sind die Gottessänften, das glänzende Messinggerät sowie der geschnitzte Altartisch.
Im benachbarten Lit Shing Kung ist Guanyin, die Hauptgottheit untergebracht. Ganz rechts wurde 1994 ein Ahnentempel errichtet, in dem sich auch die Wahrsager aufhalten. Im weiter hinten liegenden Raum hinter einer „Geisterwand“ findest man eine „Geistertafel“ mit den Namen bereits verstorbener. Ein Platz auf dieser tafel kostet bis zu 180.000 HK$. Die Erlöse daraus gehen an ein Spital.

Im inneren des Man Mo Temple

Das düstere, rotgoldene Innere des Tempels aus den 40er Jahren des 19 Jahrhunderts, ist stehts mit dicken Sandelholz-Rauchschwaden der riesigen Räucherstäbchen-Spiralen an der decke, vernebelt.
Diese Spiralen glühen bis zu vier Wochen lang – gegen eine entsprechende Spende ist es auch Ihnen als Besucher möglich eine solche Spirale zu erweben, mit Wünschen auszustatten und aufhängen zu lassen. Wundern Sie sich jedoch nicht, wenn dies nicht umgehend erfolgt, denn es geht der reihe nach und meißtens wollen mehr Einheimische und Besucher eine solhe Spirale aufgehängt haben als dafür Platz vorhanden ist.

Der Tempel ist zwei Gottheiten geweiht – dem Literaturgott Man und dem Kriegsgott Mo.

Einige Szenen aus dem Film „Die Welt der Suzie Wong“ wurden hier gedreht.

Hong Kong Convention und Exhibition Centre
Genug von Straßenschluchten und Tempel erwäge ich eine weitere Attraktion von Hongkong aufzusuchen – das Hong Kong Convention und Exhibition Centre welches in unmittelbarer Nähe zum Central Plaza steht, von dem man eine ausgezeichnete Weitsicht über den Victoria Habour hat.

lageplan des Hong Kong Convention und Exhibition Centre
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Als Grundstück mußte, wie so oft in Hongkong – das Meer herhalten, indem es an dieser Stelle aufgeschüttet wurde. Was der Hafen somit verlor, hat die Stadt an architektonischem Glanz gewonnen. Die gläserne Umhüllung der hohen, hellen Innenräume gestattet einen großartigen Blick und die geschwungene Form des Daches erinnert an einen rießigen Vogel. Die zahlreichen Auditorien und Konferenzsäle starken die Stellung Hongkongs im internationalen Wettbewerb um Messen und Kongresse.

Leider ist das Fotografieren innerhalb der Hong Kong Convention und Exhibition Centre verboten, doch bieten sich für 2Fotosammler“ auch vor dem Hong Kong Convention und Exhibition Centre zahlreiche Möglichkeiten – vor allem dann, wenn man den Besuch auf den Abend verlegt, an dem das Gebäude in zahlreichen Farben angestrahlt wird. Zudem hat man von hier einen nahezu ungehinderten Blick aif das ITC-Gebäude in Central, was für sich schon mehr als nur ein Foto gut ist.




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