Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

an jeder Ecke zu finden - Watsons

20.12.2003

Eintag Pause

Nachdem ich nun 5 Tage meinem Touristenstadtplan und meinen Reiseführern hinterhergerannt bin, möchte ich mir heute einen Tag Pause gönnen …

Es ist gestern spät geworden, nachdem ich noch Nachtaufnahmen von der wunderschönen Skyline von Hong Kong Island gemacht habe. Immerhin sind die Gebäude zurzeit nicht nur beleuchtet, sondern auch mit gigantischen Weihnachtsmotiven aus Licht und Neon geschmückt. Ein lohnendes Fotomotiv, welches man sehr gut von einem Besuchersteg am Clock Tower in Tsim Tsa Tsui aus fotografieren kann.

Skyline von Hongkong

Die Skyline von Hongkong (Victoria Harbour) an Weihnachten

Ich möchte mir daher heute etwas Ruhe gönnen – etwas länger schlafen (immerhin habe ich ja Urlaub) und Energie tanken, da es heute etwas später werden könnte – die erste Einladung zum Essen steht an.

Zum ersten Mal in den Tagen, seit dem ich in Hongkong bin, lasse ich mir wirklich viel Zeit beim Frühstück und studiere einmal nicht Reiseführer und Stadtpläne zwischen Kaffee und internationalem Frühstück. Da ich heute meine Freundin am Flughafen abholen soll, möchte ich vorher nur etwas durch die Straßen schlendern – „Window Shopping", wie es hier genannt wird, etwas was mir in Deutschland eigentlich nie in den Sinn kommen würde.

Die Nathan Road in Tsim Sha Tsui ist eine Hochburg, wenn es darum geht als Tourist etwas zu Shoppen. Zwar ist die Auswahl in meinen Augen nicht ganz so groß wie in Causeway Bay, doch bieten zahlreiche Souvenir Shops, der Hafen und natürlich zahlreiche Klamottenläden und Edelboutiquen ein reichhaltiges Angebot.

In Hongkong ist Kleidung ein vielfaches günstiger als in Deutschland

Gegen Mittag nutze ich den Shuttle-Bus des Hotels, um zum Flughafen zu kommen – irgendwie bin ich etwas lauffaul durch die letzten Tage geworden und die Füße melden sich zum ersten Mal um etwas Ruhe zu bekommen.

Es wird wohl eine halbe Stunde gedauert haben, bis wir am Flughafen ankommen. Die gigantische und helle Abflugs- und Ankunftshalle ist belebt und es wimmelt wie in einem Ameisenhaufen. Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Türe. Die einen wollen noch schnell nach Hongkong oder weiter nach China kommen und die anderen entsprechend umgekehrt nach Europa, USA oder Australien.

Ich habe noch etwas Zeit und nutze die großen Buchläden, um nach geeigneten Büchern über Hongkong zu sehen und mir in einem der zahlreichen Bistros und Restaurants noch eine Kleinigkeit zum Essen zu besorgen.

Flughafen Hongkong

Ich habe schon fast das Gefühl vergeblich auf meine Freundin zu warten – eigentlich sollte sie schon längst angekommen sein – haben ich sie verpasst in der Menschenmenge die alle jemanden abholen wollen? Es dauert nochmals über eine Stunde, als mir plötzlich jemand auf die Schulter tippt. Als ich mich umdrehe, steht sie vor mir und schaut mir traurig in die Augen: „Die haben meinen Koffer und mein Gepäck verloren" ist alles, was über Ihre Lippen kommt – kein „Grüß Gott" und kein „Hallo".
Nachdem Ihr bereits beim Umsteigen in Paris die Handtasche geklaut wurde, stand Sie nun da ohne jegliches Gepäck und ohne Papiere. Es war sicherlich nicht fair als ich in diesem Moment lachen musste, doch bislang war ich es der das Pech für sich gemietet hatte …

Inzwischen ist auch Ihr Bruder mit Familie eingetroffen. Er wohnt in Hongkong und wird sich nun zusammen mit Ihr darum kümmern, dass das Gepäck noch gefunden wird, um dann zu ihm nach Hause gebracht wird. Sui (meine Freundin) wird bei ihm wohnen, solange sie in Hongkong ist.

Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, wie lange alles gedauert hat – auf jeden Fall ist es spät geworden und die erste Einladung steht an – Sui wurde von Ihrer ehemaligen Schulklasse eingeladen und „darf" mich mitbringen.

Die erste Einladung und ich verstehe kein Wort …

Wir hatten uns bereits in Deutschland darauf geeinigt, dass Sui mir alles übersetzen wird, was ich nicht verstehe – immerhin wird in Hongkong nicht nur englisch gesprochen, sondern auch Mandarin und Kantonesich.

Ich habe mir wie so viele Besucher Hongkongs zwischenzeitlich eine leichte Erkältung eingefangen – kein wunder, wenn man bedenkt, dass hier zu jeder Jahres- und zu jeder Tages- und Nachtzeit die Klimaanlagen überall um den kühlsten Platz in Hongkong wetteifern.

Nachdem wir mit dem Taxi vom Flughafen nach Central gefahren sind, besorgen wir auf dem Weg zum Restaurant bei „Watsons" noch etwas gegen meine Erkältung. Watsons ist unter anderem eine Drogerie-Kette, die auch Medikamente die bei uns rezeptpflichtig wären verkaufen dürfen. Durch meine „Dolmetscherin" geht alles wesentlich schneller – es macht wohl doch einen großen Unterschied, welche Haarfarbe man hat und welche Sprache man spricht …

Watsons Filiale in Hongkong

Die Medikamente „eingeworfen" betreten wir auch schon das Lokal, in dem das Klassentreffen stattfindet. Leider weiß ich nicht mehr wie viele Augenpaare mich angesehen haben – aber es waren genug, um doch etwas eingeschüchtert zu sein – und Ihre ehemalige Klasse bestand nur aus Frauen …

Ich lasse mir nicht alles übersetzen – es ist einfach zu viel und zu schnell, wie gesprochen wird – die Hektik, die tagsüber in den Straßen zu spüren ist, scheint sich auch auf das Sprechverhalten der Einwohner Hongkongs zu übertragen – nur, wenn ich wieder einmal das Gefühl habe, dass über mich gesprochen wurde, lasse ich es mir übersetzen – und das war schon oft genug …

Ich hatte mich so auf richtiges und typisches Essen in Hongkong gefreut und habe nun doch kaum etwas davon. Zum einen habe ich mir durch meine Erkältung eine Magenverstimmung eingefangen, zum anderen bestätigt sich heute, dass in Hongkong oder China, das Auge wohl nicht immer mitisst. Manches, was hier als Delikatesse auf den Tisch kommt, scheint für den ungeübten Besucher nicht geeignet zu sein und wird auch nicht wie in deutschen Chinarestaurants hübsch angerichtet. Spätestens bei den gekochten Entenfüßen muss ich passen – ich esse lieber etwas Reis, was auch meinem Magen sicherlich besser bekommt …

Es ist spät als sich die Runde langsam auflöst, eine herzliche und freundliche Runde – keine Frage, aber ich bin auch müde und freue mich doch langsam in mein Hotel zu kommen.




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