Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

ein mit Bambus eingerüstetes Haus in Kennedy Town (Hongkong)

21.12.2003

Hongkong besteht zum Glück nicht nur aus den Touristen-Stadtteilen, sondern hat auch noch Stadtteile, die ihre Ursprünge erhalten haben – Kennedy Town ist einer davon.

Nachdem meine Freundin in Hongkong angekommen war, sollte ich endlich einen erfahrenen Scout an meiner Seite haben. Interessiert an Land und Leute und selbstverständlich an Ihrer eigenen Herkunft, geht es heute langsam aber sicher nach Kennedy Town.

Kennedy Town ist der Stadtteil, in dem sie aufgewachsen ist und noch heute ihre Schwester wohnt. Dies ist auch gegen Spätnachmittag unser Ziel, nachdem ich ihren Stadtteil gezeigt bekommen habe.

Sui (meine Freundin) kam morgens ins Hotel um mich abzuholen. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel und einer kurzen Besprechung wie der Tag heute in etwa ablaufen wird, machten wir uns zunächst mit der Star Ferry auf den Weg nach Hong Kong Island. Die Star Ferry war zugleich ein wichtiger Punkt in Ihrem Leben – war es doch das Verkehrsmittel, welches sie morgens zur Arbeit brachte und abends wieder nach Hause.

Von der Anlegestelle in Central ging es erst einmal zum Elevator, da Ihre zweite Schwester in einem der zahlreichen zahnstocherartiken Wohnhochhäuser wohnt. Angetroffen haben wir sie leider nicht, was im Grunde auch nicht verwunderlich war, da trotz Vorweihnachtszeit die Menschen bis zu den eigentlichen Weihnachtsfeiertagen ganz normal ihrer Arbeit nachgehen.

Wir fuhren mit dem Elevator bis zum Ende um von dort aus dann zu Fuß zu Ihrer alten Schule zu Galangen. Irgendwie, obwohl es sich um ein ganz normales Gebäude handelte, überkam einen dennoch nicht das Schulgefühl wie bei uns. Vielleicht lag es daran, dass das gesamte Gelände hermetisch gegen Fremde abgeriegelt war. Zumindest von der Straße aus konnte Sie mir jedoch zeigen und erklären, wie es damals war und ich bekam einen weiteren Einblick in ihr damaliges Leben.

Von der Schule ging es hinab Richtung Central um etwas Windowshopping zu betreiben. Immerhin waren wir noch viel zu früh dran, um schon nach Kennedy Town zu gehen. Nach zahlreichen Geschäften und unzähligen Straßen und Gassen kamen wir in die Centre Street im Bezirk „Sai Ying Poon", der leider auf den normalen, für Touristen erhältliche Stadtpläne, nicht aufgeführt ist.

Essen in einem typischen Hongkong Restaurant
Zugegeben, die kleinen Restaurants, die man bei uns eher einen Imbiss nennen würde, habe ich solange ich alleine in Hongkong war gemieden. Dem westlichen Betrachter kamen diese Lokalitäten doch ziemlich „spanisch" vor. Ist man der chinesischen Sprache nicht mächtig, erscheint es einem unmöglich herauszufinden, was man denn alles bestellen kann (englisch sprachige Speisekarten gibt es meist nur auf Nachfrage – sofern überhaupt vorhanden). Darüber hinaus sieht man nie einen Europäer oder eben „nicht Chinesen" in diesen Restaurants.

'Imbiss' in der Centre Street in 'Sai Ying Poon' (Hongkong)

Dies, zumindest meine Erfahrung, ist ein großer Fehler. Durch die sprachliche Unterstützung von Sui kam ich nun in diesen kulinarischen Genuss. Einfache, aber zum Verlieben gut schmeckende Gerichte und dazu ein Getränk, kosten hier gerade einmal umgerechnet zwei Euro – und das in einer Millionenmetropole! Der Kaffee ist der beste den ich jeh und bis jetzt getrunken habe - es war klar, dass ich in den kommenden Tagen in dieser Art Restaurants die überall in Hongkong zu finden sind öfters essen und vor allem Kaffee trinken werde. Ich selbst kann es nicht verstehen, dass hier arbeitende Europäer, Australier und Amerikaner sich diesen Genuss weitestgehend entgehen lassen.

Warmer Nachtisch
In derselben Straße kamen wir an einem unscheinbaren weiteren „Restaurant" vorbei, was ebenfalls etwas Besonderes ist. Dieses Restaurant stellt die besten Nachtische in Hongkong her. Selbst die „oberen 10.000" Hongkongs kommen oft nach einem Dinner in einem Nobelrestaurant in dieses Restaurant, um hier den Nachtisch zu sich zu nehmen. So kann man in diesem Viertel und vor allem in dieser Straße ab 21 Uhr durchaus Nobelkarossen und Luxusschlitten wie an einer Perlenschnur aufgereiht beobachten, die das Viertel „Sai Ying Poon", welches vor dem zweiten Weltkrieg auch das Rotlichtviertel Hongkongs beherbergte, beleben.

Yuen Kee Sweeten Food Experts LTD.

„Kann man das essen?“
Eigentlich war ich ja satt, aber wenn es sich hier um die besten Nachtische Hongkongs handeln soll, dann muss ich dies natürlich auch selber testen …

Visitenkarte Yuen Kee Sweeten Food Experts LTD

Wir betreten das Lokal und es überkommt einen das Gefühl einer Bahnhofsgaststätte. Die Einrichtung lässt alles andere als auf einen Insider-Tipp schließen – aber Sui muss es schließlich wissen. Wir nehmen an einem der billigen Tische mit ebenso billigen Stühlen Platz und ich lasse mich beraten, was denn nun am besten zu wählen wäre.

Vom Geschmack her wurde mir eine schwarze Sesamsuppe empfohlen war mich umgehend stutzig machte. Suppe? Nachtisch? Ok, Nachtisch wird hier mit Ausnahme von Eis, (welches ja nicht typisch ist) ebenfalls warm gegessen. Ich sollte mir aber die Suppe zunächst ansehen, bevor ich sie bestelle …

Dem Koch kann man zusehen und ich bekomme einen Blick in einer der großen Töpfe. Sorry, aber das Erste an was ich dachte ist ein Topf mit „Dünnschiss", der sich mir hier offenbarte. Nun ja, man ist ja mutig und bestellt trotz des ersten, nicht gerade überzeugenden Eindrucks.

Der Eindruck hat getäuscht – wenn ich nicht schon satt hier angekommen wäre und zudem diese schwarze Sesamsuppe zudem unheimlich sättigend wäre, man hätte sich mit dem Löffel auch direkt neben dem Topf setzen können um eine ausreichende Portion zu bekommen.

Ich brauche Medizin
Die letzten Tage in den viel zu weit heruntergekühlten Geschäften und Gebäuden haben mir den Ansatz einer Erkältung eingebracht. Sui nimmt dies zum Anlass, mir auch gleich eine richtig chinesische Apotheke zu zeigen.

chinesische Apotheke

Die Einwohner Hongkongs schwören auf diese Einrichtungen, die mehr als nur eine Apotheke sind, da der Arzt sich ebenfalls dort befindet. Nach einer Untersuchung von Puls, Gesicht, Zunge und einem persönlichen Gespräch bekommt man auch schon die komplette Diagnose. Teure Geräte sind dazu nicht notwendig (unsere Krankenkassen würden sich freuen) und man bekommt einen Zettel, auf dem die Zutaten für die speziell zusammengestellte Medizin aufgeführt sind. Diesen gibt man dann lediglich dem Apotheker weiter der diese dann entsprechend mischt.

Gut, es ist vielleicht besser man weiß nicht, was alles enthalten ist, denn es werden nicht nur Kräuter zur Herstellung von Medizin verendet, was man in den schön dekorierten Vitrinen auch durchaus bestaunen kann.

Vitrine in einer chinesischen Apotheke

Nach wenigen Minuten ist alles vorbei – keine lange Warteschlangen und keine Krankenscheine. Man hat ja die Medizin, die einem helfen soll. Ja, die Medizin schmeckt alle andere als gut und musste in meinem Fall auch noch sehr heiß genommen werden – aber, und das muss ich sagen, es hat wirklich geholfen. Den Rest meines Aufenthaltes hatte ich keinerlei Probleme mehr!

Kennedy Town
Dieses Viertel ist ein rein chinesisches Viertel. Hier sind weder Touristen untergebracht, noch wohnen hier „Nichtchinesen“ die in Hongkong arbeiten. Selbst „Mischehen“ findet man hier nicht. Entsprechend ist auch das Ambiente, welches man sich nicht entgehen lassen sollte.

Häuserfront einer Wohnanlage in Kennedy Town

In der "Smith Road" findet man einen über zwei Stockwerke gehenden, überdachten Markt, der bis vor ein paar Jahren noch nicht überdacht war. Man findet alle Arten von Lebensmittel und ebenso viel Exotisches, welches den meisten von uns sicherlich noch nie unter die Augen gekommen ist. Durch das Fehlen von Touristen sind hier die Preise wesentlich günstiger als zum Beispiel in Central.
Mit „Händen und Füßen“ und etwas Englisch, kann man hier auch als Europäer gut einkaufen. Ein Kilo bestes Schweinefilet kostet gerade einmal einen Euro und ist damit auch als Ausgangspunkt für einen Trip nach Repulse Bay eine ideale Adresse.

Ich selbst kaufe ein totales Durcheinander. Es war ausgemacht, dass ich alleine einkaufe und Sui mit Ihrer Schwester dafür aus dem von mir Gekauften ein Essen „basteln" müssen. Zugegeben eine seltsame Art sich der chinesischen Küche zu nähern, aber da Chinesen aus allem eine wohlschmeckende Mahlzeit zaubern können, eine durchaus spaßige Variante.

Ein Teeladen mit Traumpreisen
Wir sind immer noch zu früh dran um zur Esther (die Schwester von Sui) zu gehen. Zudem hat nun ein kleiner Teeladen in der "Belcher's Street" nun geöffnet.

Visitenkarte des Tee Ladens von Parker Lam

Der Inhaber Parker Lam, zeigt uns in allen Einzelheiten, wie man richtig Tee zubereitet, was dabei zu beachten ist und lässt uns von diversen Teesorten kosten.

Teeladen in Kennedy Town (Hongkong)

Teeliebhaber und Freunde von gutem Porzellan sollten diese Adresse auf jeden Fall aufsuchen. Die Geschäfte in Tsim Sha Tsui verlangen für zum Teil minderwertigere Qualität das doppelte bis dreifach des Preises. Zudem macht es Spaß Herrn Lam zuzusehen und sich in dem kleinen Laden aufzuhalten.


Abendessen
Nun geht es weiter zu Esther – vorbei noch an einem weiteren „China Imbiss" der auch zugleich die besten Waffeln, die ich jeh gegessen habe anbietet. Wir werden bereits erwartet und ich bekomme die ganze Herzlichkeit dieser Einwohner zu spüren. Den ganzen Abend habe ich zu keiner Zeit das Gefühl hier fehl am Platz zu sein oder gar unerwünscht. Es ist schön so herzlich willkommen geheißen zu werden.

Das Abendessen, welches aus den von mir gekauften Zutaten zubereitet wurde, war ein voller Erfolg. Es stimmt also, dass man aus noch so seltsamen Zusammenstellungen köstliche Speisen zubereiten kann, wenn man es versteht, zu kochen …



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