Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Strand bei Repulse Bay - Hongkong

23.12.2003

Zugegeben - auch in Hongkong ist ein Tag vor Weihnachten nicht gerade Badesaison, doch wenn man schon einmal hier ist, sollte man sich die Strandabschnitte in Repulse Bay und die Touristen-Hochburg Stanley einmal ansehen.

Die morgendliche Planung am Frühstückstisch ist heute kurz. Einen Ausflug auf die Südseite von Hong Kong Island soll es heute werden, bevor ich am Abend zu einem besonderen Abendessen eingeladen werde, welches eine Überraschung für alle beteiligten sein soll.

„Repulse Bay“
Bei „Repulse Bay" handelt es sich um den Hausstrand Hongkongs, der an schönen Wochenenden mehr als 200.000 Besucher anzieht – Grund genug auch dahin einen Ausflug zu machen, selbst wenn es gerade einen Tag vor Weihnachten ist und das Wasser aufgrund seiner Wassertemperatur nicht gerade zum Baden einlädt.

der Strand von Repulse Bay im Dezember

„Repulse Bay" befindet sich auf der Südseite von Hongkong Island und ist bequem mit dem Minibus Nummer 40 von "Causeway Bay" aus zu erreichen. Man kann fast gar nicht glauben, dass nach nur knapp 15 Minuten Busfahrt fast nichts mehr an die Metropole Hongkong erinnert - fast idyllisch könnte man sagen. Bei "Repulse Bay" handelt es sich um ein sehr teures Pflaster, da man innerhalb kürzester Zeit nach Downtown fahren kann. So verwundert es dann auch, nicht dass man dort einige der teuersten Appartmenthäuser ganz Hongkong vorfindet.

2 Glanzstücke moderner Baukunst findet man in „Repulse Bay", ein Hochhaus, das sich nach unten hin extrem verjüngt und somit sehr elegant aussieht und das "Repulse Bay" ein Luxusappartmenthaus, das ein riesiges "Loch" hat. - d.h., dass mitten im Gebäude ein paar Wohnungen ausgelassen wurden und das aus Gründen des Feng Shui, denn das Gebäude befindet sich zwischen dem Meer und einem Berg, in dem ein Drache wohnen soll. Durch das Loch soll es dem Drachen frei ermöglicht werden, frei auf das Meer hinaus zu können …

2 Glanzstücke moderner Baukunst

In „Repulse Bay" angekommen, genieße ich das für meine Verhältnisse sehr warme Wetter. Da ein T-Shirt noch vollkommen ausreichend ist, denke ich daran wie die Lieben in Deutschland jetzt in warmen Winterklamotten sich am Schneeschippen „vergnügen" dürfen. Da es nicht Sommer ist, ist der Strand relativ leer und man kann die Ruhe am Meer gut genießen und einen wunderschönen Spaziergang am Strand machen. Es ist wirklich mehr als erstaunlich, dass man nur wenige Minuten von „Central" entfernt ist und dennoch das Gefühl hat in einer anderen Stadt oder in einem anderen Landstrich zu sein. Einmal mehr bestätigt sich mein Eindruck, dass Hongkong wirklich alles zu bieten hat, was man sich eigentlich nur wünschen kann. Gut kann ich es mir vorstellen, an warmen Sommertagen hier ein erfrischendes Bad zu nehmen, zumal man mir versichert, dass auch dann der Strand sehr sauber ist.

Natürlich darf auch hier ein Tempel nicht fehlen – wir wären nicht in Hongkong, wenn es diese nicht überall geben würde. Allerdings ist dieser lange nicht so schön wie die von mir bisher Gesehenen und kann nach meiner Ansicht getrost von einer Tourenplanung gestrichen werden.

Nach einem ausdauernden und erholsamen Aufenthalt in „Repulse Bay“, entschließe ich mich weiter nach Stanley zu fahren.

„Stanley“
Stanley ist ein relativ kleiner und ruhiger Ort auf einer Halbinsel, die den südlichsten Zipfel von Hongkong Island darstellt. Die Hochhäuser wachsen hier nicht ganz so weit in den Himmel, und es ist ein wenig ruhiger als im hektischen Nordteil der Insel oder in Kowloon. Dem recht ansehnlichen Textilmarkt in Stanley mit großer Auswahl sagt man günstige Preise nach, sodass sich die Busfahrt auf jeden Fall lohnt.

Künstlern kann man bei der Arbeit zusehen

Stanley wurde nach einem früheren Kolonialminister benannt. Das Gebiet im Süden von Stanley ist militärisches Sperrgebiet und man hält sich am besten davon fern. Am besten steigt man an der Stanley Village Road aus, wenn man den Markt von Stanley beuchen möchte. Diese ist zwar nicht gerade der Schnäpphen-Markt von Hongkong, und sehr touristisch aufgezogen, doch lohnt ein kurzer Besuch dennoch. Ja, ich weiß, dass dieser Markt von vielen empfohlen wird, aber ich gehöre eben nicht unbedingt zu der Gattung der „BusrausBusrein" Touristen, die vielleicht auch gar nichts anderes zu sehen bekommen. Nichts desto trotz (oder vielleicht weil das „Touristen-Gen" in jedem steckt) habe ich ebenfalls dort eingekauft.

Herstellung eines Siegels oder auch Stempels

In meinem Fall war es ein Siegel für meinen kleinen Sohn und ein altes Schwert – diese war dafür wesentlich günstiger als beim Antiquitäten-Händler in der Hollywood Road in SoHo. Vielleicht rechtfertigt dies mein durchaus touristisches Verhalten …

In den zahlreichen Cafés, Restaurants und Bars an der Strandpromenade, kann man gut und für die touristischen Verhältnisse auch zu einem angemessenen Preis essen gehen. Auch hier kann ich es mir bei sommerlichen Temperaturen durchaus vorstellen, einen Tag zu genießen. In meinem Fall reichen mir insgesamt ein Aufenthalt von ca. zwei Stunden – die aber bei angenehmen Temperaturen und dem Rauschen des Meeres im Ohr.

Der berühmteste Tätowierer in Hongkong
Mein erstes Tattoo hatte ich lange, bevor es hier Mode geworden ist – und Tattoos als solches finde ich natürlich als bekennender „Träger“ überaus interessant. Da es mir selbstverständlich bekannt war, dass in China der Tattoo-Stil ein ganz anderer als in Deutschland ist, war es klar, dass ich ein gutes Studio besuchen wollte.

Es war nicht einfach, wirklich gute Informationen zu erhalten. Tattoos sind in Hongkong unter der „normalen" Bevölkerung lange nicht so verbreitet als in Europa oder der USA. Auch waren Tattoos lange ein Zeichen dafür, zur untersten Einkommensgruppe in Hongkong zu zählen – oder gar ein Anhänger oder Sympathisant der „Triaden" zu sein. Die „Triaden" sin ein Geheimbund und mindestens genauso skrupellos und „geschäftstüchtig" wie die italienische oder russische Maffia.
Einen wirklichen Tipp habe ich leider aus den vorgenannten Gründen nicht erhalten – noch nicht – doch kann man in Hongkong manch Klischee genauso anwenden wie in anderen Großstädten auch. Also führte der Weg nach „Wanchai" – dem heutigen Rotlichtviertel, auch wenn es dies als solches gar nicht gibt …

In Wanchai, genauer in der Lockhart Road haben wir ihn dann gefunden – Ricky, den wie sich später herausstellen, sollte vielleicht berühmtesten und bekanntesten Tätowierer in Hongkong. „Ricky" – ein älterer und ruhiger Mann in einem Studio, welches über verwinkelten Treppen zu erreichen ist.

Schon beim Betreten war einem klar, dass dies kein „normales" Studio ist. Es wirkte auf mich, als hätte „Ricky" zwei Aufpasser in seinem Studio, die mich argwöhnisch beäugten. Sui, dem Chinesischen (besser gesagt Kantonisischen) mächtig, fing vorsichtig an zu fragen und zu erklären was ich suche und wolle. Zunächst zeigte sich „Ricky" sehr zurückhaltend und ruhig, taute aber Zusehens auf, nachdem meine Begeisterung für die einsehbaren Fotos bisher von ihm gestochener Tattoos und der zahlreichen Vorlagen mir sicherlich regelrecht ins Gesicht geschrieben war.

Ich selbst kannte bis dahin nicht die Zeichen und Tattoos der „Triaden“, bekam diese aber vorsichtig von Sui gezeigt – es sollte ja nicht allzu offensichtlich sein, dass wir auch darüber etwas wissen.

Nachdem Sui längere Zeit sich mit „Ricky" unterhalten konnte, dieser auch nicht mehr ganz so scheu war, durfte ich sogar in seinem Studio und auch ihn fotografieren. Auch zeigte und erklärte er selbst so einiges was er in seiner langen Vergangenheit so alles gemacht habe und dass zwischenzeitlich Kunden aus der ganzen Welt zu ihm kommen. Er selbst behautet der älteste, noch tätige Tätowierer in Hongkong zu sein – bestätigen oder widerlegen kann ich dies nicht, doch würde ich mich nach der anfänglichen Skepsis von ihm sofort tätowieren lassen.

Memo - Anmerkung

Triaden - Mafia in China

Die Mafia in China/Hongkong gliedert sich in mehrere kleine Banden, welche Triaden genannt werden. Es gibt über 5.000 Triaden in China, welche oft miteinader Bündnisse schließen.

Triadenorganisationen in Hongkong:

  • Vereinigte Wo (40 000 Mitglieder, 10 Klans)
  • 14 K (25 000 Mitglieder, 30 Klans)
  • Sun Yee On (50 000 Miglieder)

Das überbevölkerte Mong Kok ist die heimat der Triaden Mafia. Triaden entstanden im China des 17. Jahrhunderts ale Geheimbünde, die versuchten, die Ming-Dynastie wieder an die Regierung zu bringen, nachdem die Manchus die Macht an sich gerissen hatten. Literatur und Kino idealisierten die Triaden, die jedoch heute durch schäbige Morde und Kredite mit Wucherzinsen auffallen.

Touristen sind vor Ihnen jedoch sicher, so dass man dieses aufregende Viertel ruhig besuchen sollte.

Dinner Surprise …
Die Einladung zu einem besonderen Abendessen stand schon seit Tagen fest. Freunde und Bekannte hatten schon seit langem einen Tisch bei „Sichuan Cuisine Da Ping Huo" bestellt und waren der Meinung das Es sicherlich kein Problem sein könnte einen Stuhl mehr zu bekommen, da zum Zeitpunkt der Reservierung noch niemand wusste, dass ich zu dieser Zeit ebenfalls in Hongkong sein werde.

Das Restaurant ist in jeglicher Hinsicht anders. Zum einen sollte man besser 3 bis 4 Monate vorher reservieren, da es sonst sein kann, dass man keinen Tisch mehr bekommt. Zum anderen ist der Ablauf des Essens gänzlich anders, als ich es jeh erlebt habe.

Alle, die an diesem Tag einen Tisch reserviert hatten, mussten vor dem Restaurant warten, bis sie eingelassen wurden. Kein Gast darf oder kann es früher betreten. Die Inhaber, ein Künstler und Fotograf, zusammen mit seiner Frau, einer Opernsängerin, verraten bis dahin niemandem, was es an diesem Tag zu essen geben wird – was auch nicht sonderlich verwunderlich ist, wenn man der Aussage Glauben schenken darf, dass dies beide selbst erst am Morgen des jeweiligen Tages festlegen.

Essen im Sichuan Cuisine Da Ping Huo

Für mich, als Liebhaber scharfen Essens, hatte ich wohl heute das große Los gezogen. Es gab ein mehrgängiges Menü nach Shezuan Art. Bei uns gilt schon als scharf, was wir in Deutschland in Chinarestaurants bekommen, doch ist dies mit der echten Shezuan-Küche nicht zu vergleichen. Das Essen selbst war derart scharf, dass ich vom Inhaber selbst gefragt wurde, ob ich überhaupt etwas essen konnte – immerhin war ich der einzige „Nichtchinese" im Raum.
Essen konnte ich gut und reichlich, denn auch wenn das Essen ausgesprochen scharf ist, so ist es nicht mit normaler „Pfefferschärfe“ die man hierzulande oft bekommt zu vergleichen.

Sichuan Cuisine Da Ping Huo in der Hollywood Road (Hongkong)
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Den Abschluss bildet ein gesanglicher Vortrag der Frau des Hauses. Zugegeben – es ist nicht meine Musikrichtung, doch passte es zudem geschmacklich eingerichteten Ambiente genauso wie zu allem, was dieses Restaurant so anders machte. Ich bin mir sicher, dass ich bei einem rechtzeitig geplanten Aufenthalt in Hongkong, auch dieses Restaurant in der „Hollywood Road" wieder besuchen werde.

Abendlicher Ausflug zum Temple Street Night Market
Es ist zu früh, um schon ins Hotel zurückzugehen und ich werde gefragt, was ich denn noch vorhätte. Vor habe ich noch nichts – ich wusste ja, nicht wie lange alles gehen würde und habe daher noch nichts eingeplant. Da ich jetzt aber gleich mehrere ortskundige „Begleiter" habe, schlage ich vor noch einen Abstecher zum „Temple Street Night Market" zu machen, nachdem ich heute bereits meine erste Erfahrung mit dem Touristen-Markt in „Stanley" gemacht habe.

Ramsch, Souveniers und mehr ...

Jeden Abend, so gegen 18 Uhr, schlagen die Händler in der Temple Street nördlich des Kowloon Park ihre Verkaufsstände auf und hängen sie voll mit preiswerten Textilien. T-Shirts in rauen Mengen findet man da, Hemden, Hosen, Anzüge, Kostüme, Schals, Krawatten, Pullover, Schuhe, Badetücher, alles schön bunt und nicht gerade in gehobener Qualität. Dazwischen klimpert der neueste Elektronik-Schnickschnack, und immer mehr sieht man in China gefertigte Souvenirs. Auch wenn die Verkäuferin schwört, ihre Familie müsste am Hungertuch nagen, wenn sie noch weiter mit dem Preis heruntergeht, das Feilschen gehört einfach zum guten Ton.

Verkäuferinnen auf dem Temple Street Night Market

Ja, es ist genau so, wie es in allen Reiseführern beschrieben wird und wohl nur hier findet man plötzlich auch die ganzen Touristen wieder, die sich sonst gut und fast unmerklich über Hongkong verstreuen. Für den schnellen Einkauf am Ende eines Urlaubes oder zum Erwerben von Spielwaren, die man Kindern gut als „Mitbringsel" mitbringen kann, eignet sich dieser Markt auf jeden Fall. Auch als „Nichtkäufer" ist, der Markt wirklich ein Besuch wert, denn die Atmosphäre ist – zumindest aus meinen Augen gesehen – witzig und charmant zugleich.



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