Die morgendliche Planung am Frühstückstisch
ist heute kurz. Einen Ausflug auf die Südseite von Hong
Kong Island soll es heute werden, bevor ich am Abend zu einem
besonderen Abendessen eingeladen werde, welches eine Überraschung
für alle beteiligten sein soll.
„Repulse Bay“
Bei „Repulse Bay" handelt es sich um den Hausstrand
Hongkongs, der an schönen Wochenenden mehr als 200.000
Besucher anzieht – Grund genug auch dahin einen Ausflug
zu machen, selbst wenn es gerade einen Tag vor Weihnachten
ist und das Wasser aufgrund seiner Wassertemperatur nicht gerade
zum Baden einlädt.

„Repulse Bay" befindet sich auf der Südseite
von Hongkong Island und ist bequem mit dem Minibus Nummer 40
von "Causeway Bay" aus zu erreichen. Man kann fast
gar nicht glauben, dass nach nur knapp 15 Minuten Busfahrt
fast nichts mehr an die Metropole Hongkong erinnert - fast
idyllisch könnte man sagen. Bei "Repulse Bay" handelt
es sich um ein sehr teures Pflaster, da man innerhalb kürzester
Zeit nach Downtown fahren kann. So verwundert es dann auch,
nicht dass man dort einige der teuersten Appartmenthäuser
ganz Hongkong vorfindet.
2 Glanzstücke moderner Baukunst findet man in „Repulse
Bay", ein Hochhaus, das sich nach unten hin extrem verjüngt
und somit sehr elegant aussieht und das "Repulse Bay" ein
Luxusappartmenthaus, das ein riesiges "Loch" hat.
- d.h., dass mitten im Gebäude ein paar Wohnungen ausgelassen
wurden und das aus Gründen des Feng Shui, denn das Gebäude
befindet sich zwischen dem Meer und einem Berg, in dem ein
Drache wohnen soll. Durch das Loch soll es dem Drachen frei
ermöglicht werden, frei auf das Meer hinaus zu können …

In „Repulse Bay" angekommen, genieße ich
das für meine Verhältnisse sehr warme Wetter. Da
ein T-Shirt noch vollkommen ausreichend ist, denke ich daran
wie die Lieben in Deutschland jetzt in warmen Winterklamotten
sich am Schneeschippen „vergnügen" dürfen.
Da es nicht Sommer ist, ist der Strand relativ leer und man
kann die Ruhe am Meer gut genießen und einen wunderschönen
Spaziergang am Strand machen. Es ist wirklich mehr als erstaunlich,
dass man nur wenige Minuten von „Central" entfernt
ist und dennoch das Gefühl hat in einer anderen Stadt
oder in einem anderen Landstrich zu sein. Einmal mehr bestätigt
sich mein Eindruck, dass Hongkong wirklich alles zu bieten
hat, was man sich eigentlich nur wünschen kann. Gut kann
ich es mir vorstellen, an warmen Sommertagen hier ein erfrischendes
Bad zu nehmen, zumal man mir versichert, dass auch dann der
Strand sehr sauber ist.
Natürlich darf auch hier ein Tempel nicht fehlen – wir
wären nicht in Hongkong, wenn es diese nicht überall
geben würde. Allerdings ist dieser lange nicht so schön
wie die von mir bisher Gesehenen und kann nach meiner Ansicht
getrost von einer Tourenplanung gestrichen werden.
Nach einem ausdauernden und erholsamen Aufenthalt in „Repulse
Bay“, entschließe ich mich weiter nach Stanley
zu fahren.
„Stanley“
Stanley ist ein relativ kleiner und ruhiger Ort auf einer Halbinsel,
die den südlichsten Zipfel von Hongkong Island darstellt.
Die Hochhäuser wachsen hier nicht ganz so weit in den
Himmel, und es ist ein wenig ruhiger als im hektischen Nordteil
der Insel oder in Kowloon. Dem recht ansehnlichen Textilmarkt
in Stanley mit großer Auswahl sagt man günstige
Preise nach, sodass sich die Busfahrt auf jeden Fall lohnt.
Stanley wurde nach einem früheren Kolonialminister benannt.
Das Gebiet im Süden von Stanley ist militärisches
Sperrgebiet und man hält sich am besten davon fern. Am
besten steigt man an der Stanley Village Road aus, wenn man
den Markt von Stanley beuchen möchte. Diese ist zwar nicht
gerade der Schnäpphen-Markt von Hongkong, und sehr touristisch
aufgezogen, doch lohnt ein kurzer Besuch dennoch. Ja, ich weiß,
dass dieser Markt von vielen empfohlen wird, aber ich gehöre
eben nicht unbedingt zu der Gattung der „BusrausBusrein" Touristen,
die vielleicht auch gar nichts anderes zu sehen bekommen. Nichts
desto trotz (oder vielleicht weil das „Touristen-Gen" in
jedem steckt) habe ich ebenfalls dort eingekauft.
 In meinem Fall war es ein Siegel für meinen kleinen Sohn
und ein altes Schwert – diese war dafür wesentlich
günstiger als beim Antiquitäten-Händler in der
Hollywood Road in SoHo. Vielleicht rechtfertigt dies mein durchaus
touristisches Verhalten …
In den zahlreichen Cafés, Restaurants und Bars an der
Strandpromenade, kann man gut und für die touristischen
Verhältnisse auch zu einem angemessenen Preis essen gehen.
Auch hier kann ich es mir bei sommerlichen Temperaturen durchaus
vorstellen, einen Tag zu genießen. In meinem Fall reichen
mir insgesamt ein Aufenthalt von ca. zwei Stunden – die
aber bei angenehmen Temperaturen und dem Rauschen des Meeres
im Ohr.
Der berühmteste Tätowierer in Hongkong
Mein erstes Tattoo hatte ich lange, bevor es hier Mode geworden
ist – und Tattoos als solches finde ich natürlich
als bekennender „Träger“ überaus interessant.
Da es mir selbstverständlich bekannt war, dass in China
der Tattoo-Stil ein ganz anderer als in Deutschland ist,
war es klar, dass ich ein gutes Studio besuchen wollte.
Es war nicht einfach, wirklich gute Informationen zu erhalten.
Tattoos sind in Hongkong unter der „normalen" Bevölkerung
lange nicht so verbreitet als in Europa oder der USA. Auch
waren Tattoos lange ein Zeichen dafür, zur untersten Einkommensgruppe
in Hongkong zu zählen – oder gar ein Anhänger
oder Sympathisant der „Triaden" zu sein. Die „Triaden" sin
ein Geheimbund und mindestens genauso skrupellos und „geschäftstüchtig" wie
die italienische oder russische Maffia.
Einen wirklichen Tipp habe ich leider aus den vorgenannten
Gründen nicht erhalten – noch nicht – doch
kann man in Hongkong manch Klischee genauso anwenden wie in
anderen Großstädten auch. Also führte der Weg
nach „Wanchai" – dem heutigen Rotlichtviertel,
auch wenn es dies als solches gar nicht gibt …

In Wanchai, genauer in der Lockhart Road haben wir ihn dann
gefunden – Ricky, den wie sich später herausstellen,
sollte vielleicht berühmtesten und bekanntesten Tätowierer
in Hongkong. „Ricky" – ein älterer und
ruhiger Mann in einem Studio, welches über verwinkelten
Treppen zu erreichen ist.

Schon beim Betreten war einem klar, dass dies kein „normales" Studio
ist. Es wirkte auf mich, als hätte „Ricky" zwei
Aufpasser in seinem Studio, die mich argwöhnisch beäugten.
Sui, dem Chinesischen (besser gesagt Kantonisischen) mächtig,
fing vorsichtig an zu fragen und zu erklären was ich suche
und wolle. Zunächst zeigte sich „Ricky" sehr
zurückhaltend und ruhig, taute aber Zusehens auf, nachdem
meine Begeisterung für die einsehbaren Fotos bisher von
ihm gestochener Tattoos und der zahlreichen Vorlagen mir sicherlich
regelrecht ins Gesicht geschrieben war.
Ich selbst kannte bis dahin nicht die Zeichen und Tattoos
der „Triaden“, bekam diese aber vorsichtig von
Sui gezeigt – es sollte ja nicht allzu offensichtlich
sein, dass wir auch darüber etwas wissen.

Nachdem Sui längere Zeit sich mit „Ricky" unterhalten
konnte, dieser auch nicht mehr ganz so scheu war, durfte ich
sogar in seinem Studio und auch ihn fotografieren. Auch zeigte
und erklärte er selbst so einiges was er in seiner langen
Vergangenheit so alles gemacht habe und dass zwischenzeitlich
Kunden aus der ganzen Welt zu ihm kommen. Er selbst behautet
der älteste, noch tätige Tätowierer in Hongkong
zu sein – bestätigen oder widerlegen kann ich dies
nicht, doch würde ich mich nach der anfänglichen
Skepsis von ihm sofort tätowieren lassen.
Memo - Anmerkung
Triaden - Mafia in China Die Mafia in China/Hongkong gliedert sich in mehrere
kleine Banden, welche Triaden genannt werden. Es gibt über
5.000 Triaden in China, welche oft miteinader Bündnisse
schließen.
Triadenorganisationen in Hongkong:
- Vereinigte Wo (40 000 Mitglieder, 10 Klans)
- 14 K (25 000 Mitglieder, 30 Klans)
- Sun Yee On (50 000 Miglieder)
Das überbevölkerte Mong Kok ist die heimat der Triaden
Mafia. Triaden entstanden im China des 17. Jahrhunderts
ale Geheimbünde, die versuchten, die Ming-Dynastie wieder
an die Regierung zu bringen, nachdem die Manchus die
Macht an sich gerissen hatten. Literatur und Kino idealisierten
die Triaden, die jedoch heute durch schäbige Morde und
Kredite mit Wucherzinsen auffallen.
Touristen sind vor Ihnen jedoch sicher, so dass man
dieses aufregende Viertel ruhig besuchen sollte. |
Dinner Surprise …
Die Einladung zu einem besonderen Abendessen stand schon seit
Tagen fest. Freunde und Bekannte hatten schon seit langem
einen Tisch bei „Sichuan Cuisine Da Ping Huo" bestellt
und waren der Meinung das Es sicherlich kein Problem sein
könnte einen Stuhl mehr zu bekommen, da zum Zeitpunkt
der Reservierung noch niemand wusste, dass ich zu dieser
Zeit ebenfalls in Hongkong sein werde.
Das Restaurant ist in jeglicher Hinsicht anders. Zum einen
sollte man besser 3 bis 4 Monate vorher reservieren, da es
sonst sein kann, dass man keinen Tisch mehr bekommt. Zum anderen
ist der Ablauf des Essens gänzlich anders, als ich es
jeh erlebt habe.

Alle, die an diesem Tag einen Tisch reserviert hatten, mussten
vor dem Restaurant warten, bis sie eingelassen wurden. Kein
Gast darf oder kann es früher betreten. Die Inhaber, ein
Künstler und Fotograf, zusammen mit seiner Frau, einer
Opernsängerin, verraten bis dahin niemandem, was es an
diesem Tag zu essen geben wird – was auch nicht sonderlich
verwunderlich ist, wenn man der Aussage Glauben schenken darf,
dass dies beide selbst erst am Morgen des jeweiligen Tages
festlegen.

Für mich, als Liebhaber scharfen Essens, hatte ich wohl
heute das große Los gezogen. Es gab ein mehrgängiges
Menü nach Shezuan Art. Bei uns gilt schon als scharf,
was wir in Deutschland in Chinarestaurants bekommen, doch ist
dies mit der echten Shezuan-Küche nicht zu vergleichen.
Das Essen selbst war derart scharf, dass ich vom Inhaber selbst
gefragt wurde, ob ich überhaupt etwas essen konnte – immerhin
war ich der einzige „Nichtchinese" im Raum.
Essen konnte ich gut und reichlich, denn auch wenn das Essen
ausgesprochen scharf ist, so ist es nicht mit normaler „Pfefferschärfe“ die
man hierzulande oft bekommt zu vergleichen.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Den Abschluss bildet ein gesanglicher Vortrag der Frau des
Hauses. Zugegeben – es ist nicht meine Musikrichtung,
doch passte es zudem geschmacklich eingerichteten Ambiente
genauso wie zu allem, was dieses Restaurant so anders machte.
Ich bin mir sicher, dass ich bei einem rechtzeitig geplanten
Aufenthalt in Hongkong, auch dieses Restaurant in der „Hollywood
Road" wieder besuchen werde.
Abendlicher Ausflug zum Temple Street Night Market
Es
ist zu früh, um schon ins Hotel zurückzugehen
und ich werde gefragt, was ich denn noch vorhätte. Vor
habe ich noch nichts – ich wusste ja, nicht wie lange
alles gehen würde und habe daher noch nichts eingeplant.
Da ich jetzt aber gleich mehrere ortskundige „Begleiter" habe,
schlage ich vor noch einen Abstecher zum „Temple Street
Night Market" zu machen, nachdem ich heute bereits meine
erste Erfahrung mit dem Touristen-Markt in „Stanley" gemacht
habe.

Jeden Abend, so gegen 18 Uhr, schlagen die Händler in
der Temple Street nördlich des Kowloon Park ihre Verkaufsstände
auf und hängen sie voll mit preiswerten Textilien. T-Shirts
in rauen Mengen findet man da, Hemden, Hosen, Anzüge,
Kostüme, Schals, Krawatten, Pullover, Schuhe, Badetücher,
alles schön bunt und nicht gerade in gehobener Qualität.
Dazwischen klimpert der neueste Elektronik-Schnickschnack,
und immer mehr sieht man in China gefertigte Souvenirs. Auch
wenn die Verkäuferin schwört, ihre Familie müsste
am Hungertuch nagen, wenn sie noch weiter mit dem Preis heruntergeht,
das Feilschen gehört einfach zum guten Ton.
 Ja, es ist genau so, wie es in allen Reiseführern beschrieben
wird und wohl nur hier findet man plötzlich auch die ganzen
Touristen wieder, die sich sonst gut und fast unmerklich über
Hongkong verstreuen. Für den schnellen Einkauf am Ende
eines Urlaubes oder zum Erwerben von Spielwaren, die man Kindern
gut als „Mitbringsel" mitbringen kann, eignet sich
dieser Markt auf jeden Fall. Auch als „Nichtkäufer" ist,
der Markt wirklich ein Besuch wert, denn die Atmosphäre
ist – zumindest aus meinen Augen gesehen – witzig
und charmant zugleich.
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