Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Das Peninsula in Hongkong an Weihnachten

24.12.2003

Heilig Abend und die Stunden davor …

Bekanntlich werden viele Einkäufe noch „kurz vor Schluss" gemacht, was mir jedoch erspart blieb. Den Tag des 24zigsten Dezembers wollte ich noch für touristische Erkundungen nutzen, bevor heilig Abend einmal ohne eigenen Tannenbaum etc. gefeiert wird.

Die morgendliche Planung war heute etwas umfangreicher. Ich hatte wieder einmal zwischen dem internationalen Frühstück im Hotel und dem in Mengen fließenden Kaffee meinen Stadtplan von Hongkong ausgebreitet. Heute, am Tag des heiligen Abends, den die meisten in familiärer Runde verbringen und davor der alljährliche Weihnachtsstress sich seinem Höhepunkt zuneigt, möchte ich mir unter anderem ein paar der vielzitierten Märkte in Hongkong ansehen. Um eine möglichst effektive Tour zu erhalten, erscheint mir der Stadtplan als willkommene Hilfe, da darauf auch die Haltestellen der MTR eingezeichnet sind. Zugegeben – auch wenn in den letzten Tagen nicht wie eintypischer Wanderer ausgesehen habe – mit meiner Fotoausrüstung waren die Strecken der letzten Tage dennoch recht enorm.

Bevor es jedoch zu den Märkten gehen soll, muss ich die Gunst der frühen Morgenstunde nutzen, um zum „Tin Hau Temple“ zu kommen, denn meine Zukunft würde ich gerne ebenfalls erfahren, nachdem ich den Göttern entsprechend gehuldigt habe.

„Tin Hau Temple“
Die mittlere Halle ist der daoistischen Schutzgöttin der Fischer, Tin Hau, gewidmet, die als junges Mädchen ein Fischerboot in einem Sturm gerettet haben soll. Links davon steht der Tempel von „Shing Wong", dem Gott der Stadtbewohner, rechts der Tempel der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit, „Kwum Yum". Auch Schreine der Erdgöttin sind innerhalb der Anlage zu sehen.

Umgebungsplan 'Tin Hau Temple' Kowloon
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit finden sich hier viele Menschen ein, um zu beten und sich die Zukunft vorhersagen zu lassen. Zahlreiche Verkäufer und Verkäuferinnen bieten Räucherstäbchen jeglicher Art und Größe an – auch ich kann dem nicht Kauf entsprechender Opfergaben nicht widerstehen. Hinter dem großen Eingang geht es einen schmalen Weg (vorbei an einer Spendenkasse) hinauf zur eigentlichen Anlage.

Tin Hau Temple in Kowloon Hongkong

Auch wenn es noch früh am Morgen ist, so ist die Anlage schon sehr gut besucht – man muss sich schon etwas gedulden, will man die gerade gekauften Gebets- oder „Räucherstäbchen" an einer der Feuerstellen entzünden, bevor man zur eigentlichen Gebetsstätte geht. Aus Rücksicht vor den dort Betenden habe ich es vorgezogen nicht zu fotografieren. Ich bin der festen Meinung, dass dies uns während eines Gottesdienstes auch nicht gefallen würde.

Im Park des Tin Hau Temple in Kowloon

Hat man die entzünden Gebetsstäbchen entsprechend verteilt (ich habe mich dabei an den vielen Menschen orientiert), kann man noch aus einem großen Becher ein Stäbchen „schütteln", mit dessen Nummer man dann zu einem der zahlreichen Wahrsager gehen kann.

Meine Zukunft für das kommende Jahr sollte nicht sehr vielversprechend werden. Gut, richtig Negatives würde nur passieren, wenn ich nicht noch einmal für eine Wende beten und spenden würde – aber richtig gut soll das kommenden Jahr dennoch nicht werden. Der Tempel als solches ist in meinen Augen nicht so schön wie viele Andere in Hongkong, durch seine Größe und den vielen Menschen jedoch dennoch ein lohnenswerter Besuch.

Bird Garden (oder auch Vogelmarkt genannt)
Bird Garden, Ecke Yuen Po Street

Lageplan Bird Market
Stadtplan Hongkong © hot-maps

In einem kleinen, aber hübschen Vogelgarten lassen ältere Chinesen ihre Vögel singen und frische Luft schnappen. Der kleine Vogelmarkt, wo Sperlinge, Finken und andere Sing- und Ziervögel in eleganten kleinen Käfigen oder großen Massen-Käfigen zum Verkauf angeboten werden. Frisches Vogelfutter in Form von lebenden Heuschrecken ist hier ebenso zu haben, wie allerlei nützliches und kitschiges Zubehör für den heimischen Käfig.

alle Arten von Sing- un Ziervögeln werden angeboten

Wer am frühen Morgen aufkreuzt, kann zusehen, wie man Singvögel mit Chopsticks mästet. Ältere Herren diskutieren angeregt über ihre kleinen Piepmätze, die sie im sorgfältig aufpolierten Vogelkäfig mit sich spazieren tragen.

Ein Rentner trägt seinen Liebling spazieren

Ein gemütlicher Spaziergang durch den Garten und den Markt kann ich gut empfehlen – es ist von der Hektik der umgebenden Stadt an diesem Ort absolut nichts zu merken und die zahlreichen „Stammgäste“ der Rentner, strahlen zudem eine angenehme Ruhe aus. Ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich mich hier aufgehalten habe – aber die wenigen Sonnenstrahlen die immerhin zu Weihnachten hier einzufangen waren, haben es mich nicht merken lassen, wie die Zeit vergeht.

Flower Market
Gerade etwas die Straße vom Bird Garden hinab liegt der lebendigen Blumenmarkt, wo es vor allem morgens in allen Farben leuchtet und strahlt. Die Buden uns Geschäfte säumen die Flower Market Road und verkaufen eine große Auswahl exotischer Blumen – ein wunderbarer farbenfroher Anblick und auch ein geeignetes Fotomotiv.

Lageplan Flower Market
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Einzelne Blumen sind schwer zu bekommen, denn hier decken sich vor allem die Händler der ganzen Stadt ein – nicht zu vergessen die Ausstatter der Hotels und Restaurants. Natürlich ist den Händlern in den ganzen Jahren nicht entgangen, dass hier auch viele Touristen durchkommen und bieten nebenher auch zahlreiche Souvenirs an, nicht jedoch zu vergleichen mit typischen Souvenirladen oder dem „Temple Street Night Market".

Blumenhändler auf dem Flower Market

Nur wegen diesem Markt hier her zu kommen, ist sicherlich nicht für jeden Besucher Hongkongs lohnenswert, doch wer auf eigene Faust durch Hongkong streift und damit sich seine Zeit selbst einteilen kann, der kann es wie ich gut mit einem Besuch des „Bird Garden“ verbinden.

Der Jade Markt
Ganz gleich, welche Reisebeschreibung man ließt oder welchen Reiseführer man zwischen die Finger bekommt – der Jade Markt wird immer erwähnt. Auch habe ich genug Menschen getroffen, die mir davon vorschwärmten, als wäre es das größte Highlight von Hongkong.

Der kleine, überdachte Jademarkt lohnt einen Kurzbesuch, auch wenn man nichts kaufen möchte (die Betonung liegt hier allerdings auf „kurz“).

Der überdachte Jade Market

An Dutzenden von Ständen werden Schmuck, kleine Tiere (viele Stellen die chinesischen Tierkreiszeichen dar) und Perlen aus Jade verkauft. Zwar gibt es hier wenig echte Schnäppchen, doch findet man günstige Jade, sofern man nur einfachen Schmuck sucht.

Richtig gute und wertvolle Jade sollte man hier nicht suchen – rein vom Aussehen her bieten die einen oder anderen angebotenen Produkte dennoch sicherlich den meisten Besuchern genug.

Auch ich habe mich hinreisen lassen, etwas zu kaufen – irgendwie ist es eben doch ein geeignetes „Mitbringsel“ für die zu dieser Zeit in Deutschland frierenden Bekannten – und Glücksbringer, die hier nahezu an jedem Stand angeboten werden, kann bekanntlich jeder gebrauchen.

Heilig Abend in Hongkong
Ja, irgendwie bahnte sich der Abend bereits seltsam an. Wenn man wie ich es jahrelang gewohnt war Weihnachten nur in Deutschland zu verbringen, dann kann einem schon ein seltsames Gefühl überkommen.

Der Weihnachtsmann in Hongkong

Ja, natürlich haben auch hier die Juweliere und Parfüm-Tempel bis zur letzten Minute geöffnet, aber da bei einem so geringen christlichen Bevölkerungsanteil Weihnachten in Hongkong einfach nicht so gefeiert wird wie bei uns, musste ja etwas Besonderes oder einfach gar nichts passieren.

Männer sind bekanntlich nicht gerade die klügsten, wenn es darum geht, einen solchen Feiertag zu begehen. Ich selbst gehöre – zumindest in dieser Hinsicht – auf jeden Fall ebenfalls zu dieser Gattung Mann …

Vor lauter „Hongkong, Hongkong", hatte ich es komplett versäumt in einem Restaurant einen Tisch für diesen Abend, zu reservieren. Auch die Versuche meiner Freundin Sui schlugen jetzt – kurz bevor man zum Essen gehen wollte – fehl. Da Weihnachten auch nicht innerhalb der Familie von Sui am 24zigsten begangen wird, hatte Sie sich voll auf mich verlassen. Eine tragischer Fehleinschätzung meiner Person, die es nun galt, irgendwie zu meistern.

Das Hotel Peninsula in Hongkong mit Weihnachtsdekoration

Das Hotel Peninsula – erstes Haus am Platze – war unsere erste Anlaufstelle. Im großen Saal waren alle Tische bereits belegt, und sicherlich war es uns auch nur aufgrund der gehobenen Kleidungswahl auch nur möglich überhaupt von den Sicherheitskräften des Hotels eingelassen zu werden.

Lageplan Hotel Peninsula Hongkong
Stadtplan Hongkong © hot-maps

Für mich war es das erste Mal überhaupt, dass ich das Hotel von innen sah – ein wirklich überwältigender Eindruck. Geblendet von all diesem Luxus, fragen wir uns durch, ob und wenn dann wo noch ein Tisch in einem der Restaurants zu bekommen wäre, was uns wiederum in eines der Bars des Hotels führt.

Es ist ausgesprochen gemütlich und wir genießen bei einem zur Ausnahme mal nicht hektischen Gespräch einen der guten Weine des Hauses. Vertieft in unser Gespräch und der Frage, wo wir jetzt wohl essen gehen könnten, verrinnt die Zeit, ohne dass wir es merken.

Irgendetwas muss vor dem Haus passiert sein – zumindest stehen mehrere andere Besucher der Hotelbar am Fenster und sehen gebannt nach draußen – etwas, was sicherlich jeden von uns unweigerlich ebenso zu diesem Verhalten bringt.

Mein Blick richtet sich auf die mehrspurige Straße vor dem Hotel – doch von der Straße ist nichts zu sehen. Unglaubliche Menschenmengen schieben sich sardinengleich am Hotel vorbei. Die Frage nach dem, wieso und warum drängt, sich unweigerlich auf.
„ Das ist so Tradition in Hongkong“ entgegnet mir Sui nahezu selbstverständlich und als wäre es doch ganz normal. In Deutschland wäre um diese Uhrzeit keine Menschenseele in den Straßen zu sehen. Gebannt sehe ich dem Treiben zu, ohne wirklich sagen zu können wie lange genau.

Ich fasse den Entschluss das Weihnachtsessen im Hard Rock Cafe zu uns zu nehmen – irgendwie müsste dies bezahlbar sein und sicherlich ist mit etwas warten auch ein Tisch zu bekommen. Den Entschluss fest vor Augen, führe, nein wandeln wir nahezu die große Treppe zur Hotelhalle hinunter, hindurch durch das Restaurant in der Hotelhalle vor die Türe des Hotels. Tausende von Augenpaaren richten sich auf das Nobelhotel dieser Stadt – und wir beide gehen die Hotelauffahrt hinunter, vorbei an den Rolls Royes des Hotels bis zur Absperrung zur Straße. Ein Gefühl, was sonst sicherlich nur Stars bei öffentlichen Auftritten vorbehalten ist …

Wir reihen uns in die Menschenmassen ein und versuchen die wenigen hundert Meter bis zum Hard Rock Cafe hindurchzukommen – das dümmste, was einem in diesem Moment einfallen konnte. Die Straßen sind menschliche Einbahnstraßen geworden, was durch die Polizei auch entsprechend überwacht wird. Um die Straßenseite zu wechseln, muss man manchmal um einen ganzen Block laufen oder die Labyrinthe der Einkaufspassagen kennen. Wie lange es gedauert hat, bis uns nur wenige Meter vom Hard Rock Cafe trennten, kann ich nicht mehr sagen – aber es war seeehr lange …

Ganz Hongkong ist an Weihnachten "auf den Beinen"

Wir hätten trotz eines Einganges in Sichtweite wieder um einen ganzen Häuserblock wandeln müssen, um durch zu kommen, was uns dazu bewegte es über einen doch sicherlich vorhandenen Seiten- oder Hintereingang zu versuchen. Dies war wiederum nur möglich, da ich einen Sicherheitsbeamten von der Dringlichkeit überzeugen konnte. Er brachte uns an einen Hintereingang, der dem Lieferanteneingang der Küche zum Verwechseln ähnlich sah – doch gab es von hier kein Weiterkommen. Der Manager wollte uns nicht durch die Küche ins Lokal lassen, welches so oder so vollkommen überfüllt war. Hätte ich doch Sui besser verstanden und wäre mit Ihr im Peninsula geblieben … Männer und Zuhören …

Mann hätte fast schon aufgeben können ein richtiges Restaurant zu finden, indem auch noch ein Tisch zu bekommen war, wenn nicht in einer der kleinen Seitengassen nicht plötzlich eine Pizzeria aufgetaucht wäre. Nein, nicht eine Pizzeria – ein richtig italienisches Restaurant. Ein Restaurant, das auch noch einen Tisch frei hatte – das Weihnachtsgeschenk von Hongkong …

Als wir das Restaurant verlassen, haben sich die Menschenmassen verlaufen – ein Heimkommen war kein Problem mehr, abgesehen davon, dass vielleicht der Wein etwas zu gut geschmeckt hat …

Auch wenn im Nachhinein betrachtet ich zu dumm war den Wunsch im Peninsula zu essen von mir überhaupt nicht verstanden wurde – der heilige Abend in Hongkong war und wurde etwas Besonderes. Ein Erlebnis, welches ich sicherlich nie vergessen werde. Sollte ich wieder einmal zu Weihnachten in Hongkong sein und sollte es mir erneut gegönnt sein diesen Abend dann mit Sui zu verbringen, dann werden ich rechtzeitig im Peninsula reservieren – Dinner For Two

Anmerkung – Sui, lese diese Zeilen – es ist ein Versprechen.



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