Für den heutigen Tag gab es nicht sonderlich
viel zu planen, und so war das heutige Frühstück
im Hotel eher noch eine Möglichkeit sich etwas gemütlich
auf das Abenteuer „illegales Shoppen" und auf den
Trip ins ländliche China vorzubereiten. Den Bedienungen
im Hotel brauche ich eigentlich nichts mehr zu sagen – zwischenzeitlich
kennt jeder der Angestellten meinen Ablauf beim Frühstück
sowie die Tatsache, dass ich etwas mehr Kaffee als die anderen
Besucher zum Frühstück benötige. Vielleicht
bilde ich es mir auch nur ein, aber ich hatte das Gefühl,
dass die Bedienungen von Tag zu Tag jünger wurden – zumindest
was meinen Tisch angeht. Nun ja, beklagen möchte man sich
darüber als Mann nicht gerade …
Computer und Raubkopien …
Böse Zungen behaupten, dass nahezu jeder private PC in
Hongkong geradezu eine Fundgrube für Raubkopien und illegaler
Software sind. Die Anzahl der lizenzierten Softwarekopien könne
man geradezu an einer Hand abzählen. Entsprechend gut
sei auch der Handel mit Raubkopien organisiert, was mich natürlich
brennend interessiert. Nein, ich möchte nicht die Software-Industrie
um ihre Gewinne bringen – ich möchte wissen, wie
dies alles abläuft und ob die Geschichten und Gerüchte
wenigstens halbwegs stimmen.
Zugegeben, ich habe einen unschlagbaren Vorteil bei meinem
Vorhaben – ich habe Einheimische, die mir die entsprechenden
Tipps geben und Sui als Begleiterin bei diesem Vorhaben. Im
Nachhinein betrachtet dürfte der Ablauf jedoch auch für
jeden Touristen machbar sein, er wird nur für alles etwas
mehr bezahlen und vielleicht etwas kritischer „betrachtet" werden.

Ziel unserer besonderen Shopping-Tour ist der „Golden
Shopping Market" in der „Fuk Wa Street" – gerade
eine Häuserecke von der MTR-Station „Sham Shui Po" entfernt – also
auch extrem günstig gelegen. Man sollte allerdings nicht
vor 10 Uhr dort auftauchen, denn durch die Öffnungszeiten
bis in den späten Abend hinein, ist keiner der kleinen
Shops innerhalb des „Kaufhauses" vorher geöffnet.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Innerhalb des „Golden Shopping Arcade", welches
aus mehreren Stockwerken besteht, findet man unzählige
kleinere und größere Shops die alle Computer, Computerzubehör,
Digitalkameras und eben Software anbieten. Gerade im Bereich
Software dürfte man hier nahezu alles erhalten, was das
Herz des Verbrauchers höher schlagen lässt. Von Software
für Spielekonsolen bis zu kompletten Buissenes-Paketen
ist hier alles zu bekommen – für einen Bruchteil
des üblichen Marktpreises. Die ausgestellten Verpackungen
sind entweder nur Attrappen oder sind selbst schon „Fälschungen" oder
gar plumpe Farbfotokopien.
„Die lila Türe“
Nach einer ausgedehnten Runde durch den „Markt" möchte
ich es wissen – wie läuft nun das Ganze ab, wenn
doch auch in Hongkong Raubkopien illegal sind?
Ich entschließe mich für eine unbedeutende Software,
die sicherlich in jedem Laden auch legal günstig zu erwerben
wäre – ich möchte sie ja so oder so nicht nutzen,
sondern mich nur dem „Kick" ausgeben. Es ist schon
seltsam – man verhandelt mit einem der Händler den
Preis und möchte, nachdem dieser feststeht, eigentlich
schon bezahlen – aber weit gefehlt.
Der Händler überreicht mir lediglich einen kleinen
Zettel, auf dem der Preis und eine „Produktnummer“ steht,
und bittet mich ein paar Gänge weiter zu einem anderen „Stand" zu
gehen – ohne zu vergessen mir auch die „Standnummer" zu
geben. Nachdem ich mich durch die zwischenzeitlich erheblichen
Menschenmassen zu „meinem" Stand durchgekämpft
habe, erhalte ich jedoch noch immer nicht die von mir gewünschte
Software. An diesem Stand „darf" ich nur bezahlen,
werde mit einem neuen Zettel ausgerüstet und gebeten rund
20 Minuten später mich an einem neuen Treffpunkt innerhalb
des „Golden Shopping Arcades" einzufinden.
Zugegeben, wenn es sich jetzt um eine „teure" Software
gehandelt hätte, hätte man spätestens jetzt
Angst um sein Geld haben können. Doch diese Befürchtung
war vollkommen unbegründet, da 20 Minuten später
nicht nur ich an dem vereinbarten Treffpunkt war, sondern auch
eine sehr umsichtige Dame, die nach Vorlage meines Zettels
mich unmittelbar hinter sich „herzog". „Wir
müssen hier raus, die Software bekommen Sie nicht hier",
sagte Sie nur kurz und wir waren kurzerhand aus einem der zahlreichen
Ein- und Ausgänge gegangen. Vor dem Ausgang stehend, deutete
sie nur auf eine lila gestrichene Tür und meinte, wir
sollen dort hineingehen – dort würde man uns sagen,
wie es weiter gehe.
Hinter der „lila Türe" befindet man sich in
einem fast schon heruntergekommenen sehr engen Treppenhaus
wieder – die Möglichkeiten wohin man gehen kann
sind sehr begrenzt – genau genommen gibt es nur eine
Möglichkeit – die Treppe hoch …
Ein paar Stufen höher, an einem etwas unfreundliche aussehenden
Mann vorbei, kommen wir in einen durchschnittlichen großen
Raum, in dem bereits zahlreiche Menschen warten – alle
mit einem Zettel in der Hand – wie wir.
Eine Frau bittet uns zu warten – es wird bald jemand
kommen und die von uns bestellte Ware bringen. Das Warten kommt
einem unheimlich lange vor – ist man doch in einer seltsamen
Situation und keiner der „Besucher" ist gesprächig.
Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lange wir gewartet haben,
doch plötzlich betrat eine Frau mit einem Korb voller
Software den Raum. Anhand der Zettel wurde diese in Windeseile
verteilt und jeder wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er
noch die Software an einem hier herumstehenden PC kurz testen
könne – sofern er das wolle. Ich gebe zur, mir ist
es nur noch danach den Raum und das Haus zu verlassen – die
Abläufe und Vorsichtsmaßnahmen werden sicherlich
nicht ohne Grund getroffen …
Der „Hongkong-Obi“
Zwischen den MTR-Stationen „Yau Ma Tei“ und „Mong
Kok“, parallel zur „Nathan Road“ findet man
eine durchaus interessante Straße, die mit dem Tourismus
in Hongkong jedoch recht wenig zu tun hat – die „Shanghai
Street“.

Stadtplan Hongkong © hot-maps
Die „Shanghai Street" beherbergt nicht nur äußerst
günstige kleine Restaurants (die, die man bei uns eher „Imbiss" nennen
würde), sondern auch „Großhändler" für
Restaurant-Artikel (keine Lebensmittel) und „Baustoffe" jeglicher
Art. Schon allein der Anblick von unzähligen glänzenden
Töpfen, Schöpfkellen und Woks in allen Größen
ist ein Besuch wert – das Sahnehäubchen an diesem
Tag jedoch waren die zahlreichen Varianten des „Hongkong-Obi".
Ich würde es niemandem raten sich hier selbstständig
in einem der Regale zu bedienen – es macht alles den
Eindruck als würden die mühsam aufeinander gestapelten
Schraubendreher, Wasserhähne und Rohre (das System ist
im Übrigen nicht zu durchschauen) im nächsten Augenblick
gleich zusammenstürzen.
 Für Souvenir-Jäger sein noch gesagt, dass hier so
manches was man nur zwei Straßen weiter für „teures" Geld
erwerben, kann hier wesentlich billiger bekommt – wenn
auch die Auswahl natürlich nicht ganz so groß ist
als an touristisch „erschlossenen" Straßenzügen …
 Für mich ist erst einmal Schluss mit Shopping – ich
muss dringend zurück zum Hotel, nochmal kurz duschen,
meine bereits gepackten Sachen schnappen und zum Bahnhof – dort
ist der Treffpunkt für meinen Kurztrip nach Südchina – genauer
gesagt nach „Tong Qi“ einem Dorf in der Provinz „Quangdong“. |