Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Leben in  "Tong Qi"

25.12.2003

Es geht nach China

Heute geht es heraus aus der Welt der Hochhäuser und des Konsumes. Es geht in ein Dorf mit dem Namen "Tong Qi" im Stadtkreis "Fu Shan", welcher in der Provinz "Quangdong" liegt.

 

Wir – die ganze in Hongkong lebende Familie von Sui und meine Wenigkeit – treffen uns am Hauptbahnhof in Hongkong. Die Tickets für den Zug hat der Bruder von Sui bereits vor Tagen reserviert, denn über Weihnachten fahren viele ins Hinterland um Ihre Verwanten zu besuchen – es wäre unmöglich gewesen einfach am Ticketschalter ein Ticket zu erwerben.

Der Bahnhof ist groß und sauber – bevölkert von einer unmenge an Menschen die die Weihnachtsfeiertage für einen Kurztrip nutzen möchten. Entgegen westlichen Reisenden, ist hier der Koffer oder der Trolli wenig verbreitet. Alles was auf die reise mitgenommen wird, steckt in Kunststofftaschen die wir nur von IKEA her kennen – alle mit dem selben Muster und den selben Farben. Diese sind wiederum auf kleine Gestelle geschnürt die durch angebrachte Räder hinter dem Besitzer hergezogen werden.

Züge fahren von 05.30-00.25 Uhr. Auf der Strecke Kowloon - Kanton verkehren Züge der "Kowloon-Canton Railway" und der "Chinese Railways". Abfahrt ist viermal täglich, es gibt nur Wagen der 1. Klasse. Ein Speisewagen steht zur Verfügung.

Alles geht sehr geordnet zu. Der Weg zum Bahngleis gleicht bereits einer Grenze und die Zugänge sind unterteilt für Chinesen und Touristen – ohne Visum würde man also erst gar nicht zum Bahngleis kommen.

Mit meinem Rucksack versuche ich trotz separatem Durchgang zu den Gleisen den Anschluss an die Familienmitglieder von Sui nicht zu verlieren – zum Glück wartet man auf mich und wir können gemeinsam das Zugabteil und den Sitzplatz suchen.

Im Zug ist es relativ ruhig – die sonst so aufgeweckten und gesprächigen Menschen sind hier im Abteil plötzlich zurückhaltend und ruhig. Alles geht ausgesprochen geordnet und ruhig ab. Schon vor dem Zug auf dem Bahngleis wurde jeder Wagen von einer Zugbegleiterin „betreut“ – alles muss geordnet und korrekt ablaufen.

Ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, wie lange wir noch am Bahnhof gestanden sind, aber es kam mir sehr, sehr lange vor. Stehplätze wurden keine vergeben – wer ein Ticket hatte, der hatte auch einen Sitzplatz.

Als sich der Zug in Bewegung setzte, ging die Fahrt durch die „New Territories" bis nach „Shenzhen" – die erste Stadt nach der Grenze zu China. Auch wenn sich „Shenzhen" gewaltig entwickelt hat, so hat man aus dem Zug bereits die ersten Eindrücke, dass es nun in eine Region geht die so ganz anders ist als Hongkong.

Ich bin schon lange nicht mehr mit einem Zug gefahren – und vor allem nicht so lange. Während der Fahrt wurden Speisen und Getränke durch das Zugpersonal angeboten. Die Preise waren im Vergleich zu deutschen Zügen natürlich sehr preiswert, aber es empfiehlt sich das eigene Reiseproviant mitzunehmen – schon allein aus rein geschmacklichen Gesichtspunkten.

Auch an die Dauer der Fahrt kann ich mich leider nicht erinnern – vielleicht weil es nie langweilig wurde im Zug. Durch meine Begleiter (nun ja, eigentlich war ich ja der Begleiter …) hatte ich eine sehr interessante und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Ankunft in „Fu Shan“
Wir kommen an unserem Zielbahnhof an. Obwohl wir bereits ein ganzen Stück im Landesinneren sind (natürlich nicht gemessen an der Größe Chinas) kommt erst jetzt unsere eigentliche Grenzkontrolle für China.

Die Abfertigung an den Durchgängen ist zumindest für mich als westlichen Besucher wesentlich „kälter“ als bei der Einreise nach Hongkong. Pässe und Visa werden studiert, nichts gesprochen – bis man schlussendlich auch passieren darf und in die Bahnhofshalle gelangt.

Taxi in „Fu Shan“

Vor dem Bahnhof werden wir bereits vom eigentlichen Familienoberhaupt – dem Vater von Sui erwartet. Er hatte ein Taxi in Form eines Kleinbusses für uns organisiert. Sichtlich stolz auf „seine“ Besucher organisierte er die Sitzplatzverteilung im Kleinbus. Er möchte so schnell wie möglich weiter, denn bis zu seinem Heimatdorf „Tong Qi“ ist es noch eine relativ lange Fahrt.

„ Tong Qi“ – am Ende der Welt?
Wir kommen schon spät am Abend in „Tong Qi" an – der weg führte uns nicht nur über große, breite, gut ausgebaute Straßen, sondern auch über Wege, die man bei uns bestenfalls als bessere Feldwege bezeichnen würde.
Selbst die „Hauptstraße" von „Tong Qi" ist nicht viel Breiter als der Kleinbus, in dem wir sitzen – würde uns ein Auto entgegen kommen (was allerdings hier schon fast ein Ereignis wäre), dann müsste einer der Wagen solange rückwärts fahren, bis es eine Ausweichmöglichkeit gibt.

Zwischen den Häusern in „Tong Qi" ist es wiederum unmöglich mit dem Auto zu fahren. Die Wege sind gerade einmal so breit, dass man hier nur mit einem Motorroller (der hier ebenfalls bereits Luxus ist) oder einem Fahrrad fahren kann.

Das Haus unseres Gastgebers

Das Haus von unserem Gastgeber liegt direkt an der „Hauptstraße“ von „Tong Qi“. Da es hier keinen Straßenverkehr gibt, gibt es auch keine Lärmbelästigung. Die meisten Häuser in „Tong Qi“ sind zusätzlich von einer Mauer umgeben. Auch wenn im Dorf selbst keiner vor dem anderen Angst haben muss – nachts, vor allem bei Abwesenheit – kann es jedoch auch hier, nahezu am Ende der Zivilisation zu Diebstählen kommen.

Stolz zeigt unser Gastgeber das ganze Haus – selbst von seiner Familie haben noch nicht alle den derzeitigen Zustand und die Einrichtung gesehen. Ich selbst habe mich auf viel eingestellt – aber was ich angetroffen habe übertrifft meine Erwartungen. Vor meiner Reise wurde ich extra noch von Sui „gewarnt“, dass ich nicht zu hohe Erwartungen haben soll, da der Lebensstandard sehr niedrig und die Verhältnisse somit sehr einfach sind. Alle Zimmer und Kammern wurde für unseren Besuch herausgeputzt. Selbst oben unter dem Dach, wo sonst nur der Reissilo der Familie ist, steht jetzt ein großes Bett aus Kisten, Brettern und einer Matratze – immerhin sollen die Besucher auch ihr eigenes Zimmer haben.

Es ist reichlich spät geworden – wir als Gäste haben unsere Gastgeschenke verteilt – aber es wäre unhöflich den Gästen gegenüber nicht eine angemessene Mahlzeit anzubieten. So komme ich heute zum ersten Mal zu sehen, wie hier auf dem Lande gekocht wird.

Die Küche des Hauses

Auch wenn das Haus über eine Küche verfügt, findet nun alles im Innenhof des Hauses statt. Die Arbeit machen hier noch die Frauen – was unser Gastgeber auch sehr genau nimmt. Er selbst kocht nur den Reis und den Tee – als Chef des Hauses kann er sich dies auch aussuchen.

Die offene Feuerstelle im Innenhof des Hauses unseres Gastgebers

Jeder, auch noch so schöne und eindrucksvolle Tag geht einmal zu Ende – und ich werde die erste Nacht in China selbst verbringen …



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