Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

Wasserbffel in  "Tong Qi"

26.12.2003

Erlebnisse in und um "Tong Qi"

Die Gegend um "Tong Qi" ist nicht touristisch erschlossen, bietet aber dem Besucher äußerst interesante und spannende Einblicke.

 

Rund um "Tong Qi"
Die Luftveränderung zwischen Hongkong und "Tong Qi" scheint müde gemacht zu haben – oder es war die Aufregung, die mich auf der gestrigen Fahrt begleitet hat – zumindest habe ich sehr gut geschlafen und bin vollkommen zeitlos irgendwann am Morgen aufgewacht.

Natürlich sind die sanitären Möglichkeiten hier vollkommen andere als in „meinem" Hotel in Kowloon – aber das wusste ich ja bereits vor meiner Abreise nach "Tong Qi". Ja, ich gebe zu, es war etwas ungewohnt – aber auf meine morgendliche Toilette möchte ich auch hier nicht verzichten.

Frisch gerichtet (kein wunder frisch, war doch das Wasser alles andere als warm, welche ich für meine Morgentoilette hatte) begebe ich mich in den Innenhof des Hauses. Meine Gastgeber sind bereits wach und ich werde wohl auf meinem geliebten Kaffee auch an diesem Morgen nicht verzichten müssen.

Der Innenhof ist noch geschlossen und mich treibt die Neugier zu wissen, was jetzt am frühen Morgen wohl hinter den Mauern des Innenhofes passiert. Dass bereits ein geschäftiges Treiben im Dorf ist, ist nicht zu überhören. Könnte ich nur chinesisch und verstehen, was alles gesprochen wird.

Ich öffne also einer der Türen, um vor das Haus zu gelangen – und das Erste, was ich sehe – ein Wasserbüffel mit Ihrem Jungen, welche mich beide neugierig anschauen … Was für ein Morgen – und was für ein Schreck auf nüchternen Magen …

Wasserbüffel in den Gassen von "Tong Qi"

Ok, die Straße ist nicht nur durch Wasserbüffel belebt – auch die Bewohner des Dorfes sind in den kleinen Gassen zwischen den Häusern unterwegs – und es scheint so als würden alle Ihr Frühstück mit sich herumtragen. Ok, es hat sich herumgesprochen, dass Besucher in der Nacht ins Dorf gekommen sind – und es hat sich herum gesprochen dass ein blonder „Kwai Lo" (das bedeutet so viel wie „männlicher Geist" und damit ist die Gattung der männlichen weißen Europäer oder Amerikaner gemeint) dabei ist. Immerhin, das hat man mir bereits im Vorfeld angekündigt, hat noch nie ein „Kwai Lo" das kleine Dörfchen "Tong Qi" besucht …

Ja, der „Kwai Lo“ scheint eine Attraktion hier im Dorf zu sein – das ist deutlich zu spüren – vor allem die Kinder sind äußerst neugierig … Zu nahe oder gar anfassen möchte mich aber keiner der Einheimischen – Geister sind eben doch etwas, von denen man sich etwas entfernt hält …

Ich bin zum Glück nicht das oder der Einzige, der an diesem Morgen die Aufmerksamkeit der Bewohner geschenkt bekommt. Eine fahrende Bäckerin ist zwischen den Gassen mit Ihrem Fahrrad unterwegs und bietet Ihre Backwaren an.

Die Bäckerin auf dem Fahrrad

Ok, ich gehe dann doch einmal zurück in den Innenhof meines Gastgebers – sind doch inzwischen alle im Hause aufgewacht und ich kann meinen Kaffee und mein Frühstück zu mir nehmen, bevor es an die heutigen Ausflüge geht.

Auf den Markt in "Yong Ping"
Natürlich wollen unsere Gastgeber nur das beste für Ihre Gäste und so soll es heute früh erst einmal auf den Markt gehen – alles muss frisch sein und zudem ist ein solcher Markt auch für die Kinder aus Hongkong und natürlich für den „Kwai Lo“ eine Attraktion.

Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles

Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles was für das Leben hier auf dem Lande wichtig ist. Nicht nur Nahrungsmittel werden hier an zahllosen Ständen angeboten, sondern auch Kleidung, Werkzeug, Tabak, Haushaltswaren … einfach alles.

Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles

Auch wenn ich schon so manchen Markt in Hongkong gesehen habe – dieser ist einfach anders, größer und irgendwie noch beeindruckender. Wie für mich der Markt eine Attraktion ist, so bin ich in "Yong Ping" eine Attraktion. Auch wenn ich hier nicht unbedingt der erste „Kwai Lo" bin, so ist es doch hier ungefähr genauso selten wie der Besuch des Weihnachtsmannes …

Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles

Die Familien von Sui konzentriert sich auf das Einkaufen der frischen Zutaten für das heute Mittagessen, während ich mich darauf konzentriere zu fotografieren. Erstaunlicher weiße finden es die meisten sogar richtig toll fotografiert zu werden.

Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles
Der Markt in "Yong Ping" bietet einfach alles

Erstaunlich, was ein „Kwai Lo“ alles kann …
Ja, man staunte nicht schlecht, als ich an einem Stand für Tabak vorbei kam und auch welchen kaufen wollte. 500 Gramm Tabak wurden hier für gerade einmal 1 Yuan angeboten – dies entspricht in etwa 10 Cent – Preise, von denen Raucher in Deutschland nur träumen können. Man muss sich die Zigaretten jedoch selber drehen und das Zigarettenpapier ist nicht gummiert. Wer jedoch schon einmal Zigaretten selbst gedreht hat, wird auch mit diesem Problem fertig und von einem Moment zum anderen zum Star in "Yong Ping".
Alle die in der Nähe des Standes waren, scharten sich plötzlich um mich herum und wollten sehen, ob ich auch wirklich eine rauchbare Zigarette zusammen bekommen würde – und staunten nicht schlecht, als ich kurz darauf die ersten Züge der selbst gedrehten Zigarette genießen konnte …

Das Kloster von " Lu Bao".
Nach unsrem Einkauf ging die Fahrt weiter zu einem Kloster in " Lu Bao". In dieser Region wohl die größte Anlage dieser Art und auch für einen Touristen wie uns wirklich sehenswert.

Das Kloster von " Lu Bao"

Auch wenn dieser Teil Chinas nicht gerade touristisch erschlossen ist (europäische Touristen habe ich nie zu Gesicht bekommen – genauso wenig wie andere), so muss zur Besichtigung des Klosters Eintritt bezahlt werden. Schon von außen ist jedoch ersichtlich, dass es sich hier nicht „nur" um einen kleinen Tempel, sondern wirklich um eine komplette Klosteranlage handelt.

Das Kloster von " Lu Bao"

Es ist ganz anders als die Anlagen in Hongkong, auch wenn der Baustil aufgrund der religiösen und kulturelle Nähe natürlich Parallelen zulässt. Als Besucher kann man in Ruhe den größten Teil der Klosteranlage besichtigen und nahezu ungehindert begehen.

Die Gebetskette
Ja, ich gebe zu, dass auch hier mich in „Schlüsselereignis" ereilte. Beim Fotografieren wurde ich plötzlich von einem Mann „aufgehalten". Der freundliche Mann sprach jedoch nur chinesisch, was zunächst zu einigen Probleme führte. Erst als Sui hinzu kam, um gegenseitig zu übersetzen, wurde klar, dass es nicht verboten war, zu fotografieren, sondern es dem freundlichen Mann nur wichtig war, dass ich mir im Klaren bin dass so manches, was ich hier sehe und fotografiere nicht ganz richtig ist.

Leider wurden große Teile des Klosters im Zuge der chinesischen Kulturrevolution zerstört und erst Jahre später wieder gerichtet – allerdings falsch und nicht getreu den Buddhistischen „Vorgaben“.

Da ich mich im Vorfeld viel über China informierte, wusste ich, wovon der Mann (der anscheinend der „Abt" des Klosters war) sprach und wir vertieften unser Gespräch. Sui hatte viel zu übersetzen – und auch die anderen Familienmitglieder kamen langsam zu unserem Gespräch hinzu. Ein Gemisch aus Deutsch, englisch und chinesisch machte jetzt die Runde …

Am Ende unseres Gesprächs zog der Mann seine Gebetskette heraus und gab sie mir – es sei ein Geschenk für mich. Er übergab mir die Kette mit den Worten „a mi tou fu" – was soviel bedeutet wie „finde deinen Frieden". Dies solle ich auch in Gedanken oder laut sprechen, wenn ich Kugel für Kugel der Gebetskette durchgehe und meditiere …

Vielleicht nutze ich die Kette zu selten, oder ich habe ein anderes Verständnis, was meinen Frieden angeht – zumindest glaube ich nicht das Ich diesen wirklich bis heute gefunden habe …

Der Markt in "Lu Bao"
Es geht weiter nach " Lu Bao" – auch hier ist ein Markt – größer als der in "Yong Ping".

In Hongkong ist es verboten Hunde zu essen – hier auf dem Lande ist das Etwas anderes. Im Vorfeld habe ich schon gefragt, was es denn damit auf sich hat und die Erklärung war eigentlich ziemlich einfach. Hundefleisch ist das billigste Fleisch, welches (zumindest in diesem Teil Chinas) zu bekommen ist. Es würde nicht besonders schmecken hat man mir zudem erklärt – sicherlich ein Grund, warum es trotz vieler Vorurteile nicht gerade beliebt ist.

Hier auf dem Markt in "Lu Bao" kann ich es dann zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen – an einem der „Stände" (allerdings weit abseits vom eigentlichen Markt) konnte man Hundefleisch kaufen. Der „Metzger" war gerade dabei den Hund zu zerlegen, als ich hinzukam. Es scheint ihm nicht sonderlich gefallen zu haben, dass ich mit meiner Kamera vorbei kam, denn er stellte sein Handeln umgehend ein.

Würzmischung für "Hund"

Auf dem Markt selber – als mitten im Geschehen – konnte man dies nicht beobachten. Lediglich die Gewürze für eine entsprechende Zubereitung konnte man erwerben. Auch wenn es Eigentliche nicht der traditionellen chinesischen Küche entspricht, haben auch hier Fertigmischungen den Einzug in die Küchen angetreten. Einer dieser Gewürzmischungen dient eben der Zubereitung für „Hund".

Der Markt in "Lu Bao"
Der Markt in "Lu Bao"
Der Markt in "Lu Bao"

Entgegen dem Markt in "Yong Ping" ist hier auch der größt Teil des Marktes überdacht und auch um den „Marktplatz“ herum bieten Händler aller Art Ihre Waren feil.

Der Markt in "Lu Bao"

Was mich mindestens genauso stutzig machte wie die Würzmischung für Hund, war ein Telefon, welches mitten auf der Straße auf einen Stuhl gestellt war. Wer würde schon sein Telefon mit einer derartig langen Telefonleitung einfach so „mitten" auf den Markt stellen? Die Erklärung war im Grunde ganz simpel – es war sozusagen die Telefonzelle von "Lu Bao". Einer der Händler hatte eben einen Telefonanschluss was anscheinend nicht viele in "Lu Bao" haben – und kann somit ganz nebenbei noch einen „Call-Shop" betreiben …

rund um den Markt von "Lu Bao"
rund um den Markt von "Lu Bao"
rund um den Markt von "Lu Bao"

Zurück in "Tong Qi"
Das gesellschaftliche Leben in "Tong Qi" spielt sich auf dem Marktplatz vor dem „Supermarkt" ab. Der Marktplatz ist im Grunde eine kleine befestigte Stelle mitten im Dorf, auf dem nie ein Markt stattfindet und der Supermarkt eine besonders kleine Form eines „Tante Emma Ladens" der zum wirklichen Einkaufen und Versorgen des Dorfes auf keinen Fall ausreichend Waren anbieten kann. Den Dorfbewohnern scheint es zu reichen – glücklich scheinen die Menschen ebenfalls zu sein – und wir waren willkommene Gäste, die sicherlich die größte Abwechslung seit Bestehen des Dorfes bereiten …

Auf dem Marktplatz von "Tong Qi"
Auf dem Marktplatz von "Tong Qi"

Tausende und abertausende von Gänsen und Enten stellen den größten teil der Bewohner von "Tong Qi" dar. Rund um "Tong Qi" herum findet man zahlreiche Farmen, in denen die Enten und Gänse für die umliegenden Regionen gezüchtet werden. Es scheint ein regelrechter Exportschlager des Dorfes zu sein.

Tausende und abertausende von Gänsen und Enten  leben in "Tong Qi"
Tausende und abertausende von Gänsen und Enten  leben in "Tong Qi"



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