Hong Kong - City of Live!
Hongkong Tagebuch 2003

Tagebuch einer Hongkongreise 2003

"Big Buddha" auf Lantau Island

29.12.2003

Der vorletzte Tag in Hongkong – Ausflug nach Lantau Island

Morgen wird schon alles vorbei sein, aber heute wollen wir noch einmal richtig was erleben…

 

Fast schon "Tradition" ...
Nachdem in den letzten Tagen mich die Bedienungen im Hotel nicht gesehen haben, werde ich heute fast schon besonders freundlich an meinen zwischenzeitlich festgelegten Platz gebracht. Ich schein mich wohl zu oft hier an diesen Tisch umgesetzt zu haben, dass er heute mir schon umgehend „zugeteilt" wurde.

Ebenfalls, wie schon am Anfang meiner Reise, habe ich wieder jede Menge Unterlagen bei mir, die ich zusammen mit Sui während des Frühstückes studiere.

Es wird viel über Lantau Island und den größten freistehenden Buddha geschrieben – und es macht fast den Eindruck, dass wirklich jeder der nach Hongkong kommt, an diesem Ort nicht vorbei kommen zu scheint.

Es ist noch sehr früh am Morgen und eigentlich wollen wir uns gar nicht so viel Zeit lassen, um nach Lantau zu kommen. Wer früh dort ist, der hat kürzere Wartezeiten beim Bus und beim Buddha – ein Grund mehr sich zu beeilen.

Wir nehmen wieder (wie fast jedes Mal wenn wir von Kowloon nach Central wollen) die Star Ferry – das Verkehrsmittel welches Sui tagtäglich verwendet hat als Sie noch in Kennedy Town wohnte und in Kowloon arbeitet.

Am Star Ferry Pier in Central angekommen, ist es nicht weit zu den Piers der Fähren oder Schnellboote, die nach Lantau übersetzen. Die relative kurze Wartezeit nutzen wir, um das in der Morgensonne liegende Hongkong zu genießen.

In Central vor der Überfahrt nach Lantau Island

Es scheint so, als hätte ich relativ oft mein Zeitgefühl in Hongkong verloren, denn wie lange die Überfahrt nach Lantau dauerte, kann ich beim besten Willen nicht beantworten. Vielleicht lag es an meiner hübschen Begleiterin, vielleicht an dem Wunsch wirklich alles was ich hier erlebe regelrecht in mich aufsaugen zu wollen. Auf jeden Fall war es eine wunderschöne Überfahrt und wir waren trotz reichlich vorhandenem Platz im Inneren der Fähre (wir hatten kein Schnellboot) die komplette Zeit auf dem hinteren Deck – immer im Blick das immer kleiner werdende Hongkong. Alles in allem wird es jedoch entsprechend den von mir gelesenen Reiseführen, nicht viel länger als eine Stunde gedauert haben.

Von "Silvermine Bay" nach „Po Lin"
Als wir im Hafen von Silvermine Bay (Mui Wo) eintreffen, sind wirklich noch nicht viele Menschen an dem dort ebenfalls befindlichen „Busbahnhof" anzutreffen. Entweder wir sind wirklich früh genug hier angekommen, oder der größte teil der Besucher nimmt die zwischenzeitlich vorhandene Autobahn, die seit dem der neue Airport gebaut wurde, ebenfalls Hongkong (besser Kowloon) mit Lantau verbindet. Silvermine Bay selbst ist eine kleine Stadt mit einem kleinen Strand und einfachen Restaurants, die meisten von ihnen sind auf Fischgerichte spezialisiert.

Der richtige Bus zum Buddha ist schnell gefunden (die Busse nach Po Lin fahren stündlich ab) und wir sind auch nur Minuten später bereits auf dem Weg nach „Po Lin", wo sich das Kloster Po Lin und der berühmte Buddha befinden.
Die Fahrt ist zugegebenermaßen nicht sehr bequem (die Straßen sind eng, steil und verlaufen in Serpentinen, außerdem sind die Busse schlecht gefedert), aber Sie haben immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die Berge und die See.

Im Inneren des Kloster Po Lin

Das Kloster Po Lin befindet sich auf dem Ngong Ping Plateau in 450 Meter Höhe. Po Lin ist keine historische Stätte; das Kloster wurde erst 1970 errichtet. Die Haupthalle hat zwei Stockwerke und beherbergt drei große, goldene Buddhastatuen. Das Dach der Halle ist sehr aufwendig mit Porzellanfiguren und Ornamenten geschmückt. Das Kloster ist auch unsere erste Station, denn auffällig gut sind hier zahlreiche Schilder angebracht, die das Fotografieren eigentlich verbieten … Jetzt, da kaum Menschen im Kloster und um das Kloster herum sind, eigentlich die Gelegenheit …

Die Klosteranlage des Klosters Kloster Po Lin

Die Klosteranlage des Klosters Kloster Po Lin

Im Inneren des Klosters Po Lin

Nachdem wir uns die Klosteranlage angeschaut haben machen wir uns auf den Weg zu der riesigen, bronzenen Buddhastatue draußen vor dem Kloster. Sie ist rund 40 Meter hoch, 277 Tonnen schwer und besteht aus 202 Riesenstücken Bronzeblech, genietet auf ein taifunfestes Stahlgerüst. Der Buddha thront 750 Meter über dem Meer am Fuße des Lantau Peak und gilt als die größte Buddhastatue Asiens (was ziemlich glaubhaft ist). 70 Millionen US-Dollar zahlten chinesische Kaufleute für die Fertigstellung der Statue (wohl voll des schlechten Gewissens, dass sie sich Buddhas erlauchten Weg der Armut leider nicht leisten konnten).

Blick von der Klosteranlage richtung "Big Buddha"

Um zur Aussichtsplattform zu gelangen, müssen wir eine Treppe mit vielen Stufen hinaufsteigen. Diese Mühe lohnt sich jedoch, denn von oben haben wir einen geradezu märchenhaften Blick über Lantau, die kleinen Inseln, die es umgeben, und über das tiefblaue südchinesische Meer.

Um zur Aussichtsplattform zu gelangen, müssen wir eine Treppe mit vielen Stufen hinaufsteigen.

Das kleine Museum im Innerren bietet jedoch nicht ganz so viel, wie wir uns als Besucher vielleicht erhofft haben – vielleicht waren auch nur die Erwartungen an das hier Gebotene einfach viel zu hoch.

Angemerkt werden muss, dass man auf keinen Fall am Wochenende hierher kommen sollte, denn Lantau ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für die Hongkonger Bürger, sodass man viel Geduld in den endlosen Schlangen an der Bushaltestation und am Eingang zum Denkmal benötigt.

Natürlich, wie alles touristisch Erschlossene, haben wir auch hier Eintritt bezahlt. Im Eintritt inbegriffen ist eine kleine Mahlzeit im Klostereigenen vegetarischen Restaurant. Nachdem wir unsere Tour hier eigentlich gut zu Ende gebracht haben, eigentlich eine gute Idee bevor es weiter gehen soll in das kleine Städtchen „Tai O", welches auf der genau entgegengesetzten Küstenseite zu Silvermine Bay (Mui Wo).

Genau zwischen dem Buddha und dem Po Lin Monastery, befindet sich die Bushaltestelle, die als zentraler Knotenpunkt dient und eigentlich auch größer ist als der kleine Busbahnhof in Silvermine Bay (Mui Wo). Von hier aus nehmen wir den Bus nach „Tai O", dem als kleines Fischerdorf eine regelrechter Ruf als Touristenattraktion hat.

„Tai O" – zwischen Tradition und Moderne
T ai O ist der größte Ort auf Lantau. Ein entsprechendes "Hauptstadt-Flair" will sich beim Anblick der kleinen Siedlung an der Westküste allerdings nicht recht einstellen. Die Häuser des Dorfes haben sich ein altchinesisches Aussehen bewahrt, das man auf Hong Kong Island oder in Kowloon vergeblich suchen würde. Sie stehen teils auf dem Boden Lantaus, teils auf einer kleinen vorgelagerten Insel, beide Teile sind nur durch einen schmalen Brackwasserarm voneinander getrennt.

„Tai O" – zwischen Tradition und Moderne

„Tai O" – zwischen Tradition und Moderne

Fische aller Art trocknen in der Sonne und verbreiten einen eigentümlichen Geruch. Das Meer ist für viele Bewohner von Tai O immer noch die wichtigste Einkommensquelle. Es ernährt die Fischer, die Hersteller von Stockfisch, die Seafood-Restaurants, die Betriebe, in denen Krabbenpaste hergestellt wird und andere Kleinproduzenten.

Fische aller Art trocknen in der Sonne und verbreiten einen eigentümlichen Geruch.

Lantau ist fast doppelt so groß, wie Hong Kong Island, mit 19.000 Einwohner jedoch noch vergleichsweise dünn besiedelt. Eine Insel fast ohne Straßen, mit steilen grünen Bergen. Wenn man die letzten Häuser von Tai O hinter sich lässt, befindet man sich gleich inmitten einer üppigen Natur.

Die hier angebotenen Fahrten zu den weißen Delphinen interessieren uns auch nicht sonderlich, wir wollen nur zwischen den kleinen Gassen schlendern und ich selbst erhoffe mir zudem ein paar interessante Fotomotive.

„Tai O" – zwischen Tradition und Moderne

Leider sind bei vielen Dingen die Preise auf Touristen ausgelegt und ich sehe es beim besten Willen nicht ein, für eine Muschel, die eigentlich für die Fischer „Abfall“ darstellt, ein Vielfaches von einer warmen Mahlzeit zu bezahlen.

„Tai O" – zwischen Tradition und Moderne

Das einzige Geräusch, das man bei einem Mittagsbummel durch die Gassen von Tai-O hört, ist das Klackern der Mahjong-Steine. Tai-O ist ein Postkartendorf, wie man es aus dem ländlichen China kennt: ein kleiner Hafen mit kleinen Schiffen drin, Häuser auf Stelzen, dahinter ein Gewirr aus schmalen Gassen, in denen man über dösende Hunde steigen muss. Die Frauen tragen Hüte wie umgestülpte Kuchenformen aus Bambus und säubern Fische. Die Männer hocken auf Plastikstühlen, rauchen und sehen die Fernsehnachrichten.

Das einzige Geräusch, das man bei einem Mittagsbummel durch die Gassen von Tai-O hört, ist das Klackern der Mahjong-Steine.

Wir haben genug von „Tai-O" gesehen und denken an den Heimweg. Die Bushaltestelle, von der wir gekommen waren, ist schnell erreicht, doch an Rückweg ist noch lange nicht zu denken.

Zum ersten Mal seit dem Sui ebenfalls in Hongkong angekommen ist, haben wir irgendwie Verständigungsprobleme. Nein, nicht zwischen uns, sondern zwischen Ihr und den Einheimischen. Keiner kann uns so recht sagen, wann der nächste Bus nach Silvermine Bay (Mui Wo) fährt oder welchen Bus wir nehmen müssen um irgendwo auf der Insel umzusteigen um dann nach Silvermine Bay (Mui Wo) zu kommen. Eine etwas seltsame Situation die uns dazu bringt einfach ein Taxi zu nehmen um nach Silvermine Bay (Mui Wo) zu kommen – was sicherlich in dieser Situation die beste Entscheidung war.

Die Taxifahrt ist in meinen Augen relativ lange – ich denke der gute Mann ist einfach einmal um die halbe Insel herumgefahren. In Anbetracht eines wunderschönen Tages stört mich dies allerdings nicht besonders.

Im Hafen von Silvermine Bay (Mui Wo) angekommen, scheinen wir diesmal eines der Schnellboote zu bekommen, die uns nach Central auf Hongkong Island zurückbringen wird. Wie es aussieht, habe ich es wirklich geschafft jedes Transportmittel dieser Stadt verwendet zu haben – ausgenommen von Rikscha, denn die gibt es Hongkong eigentlich nur noch als Fotomotive für zahlende Touristen.

Der letzte Abend in Hongkong
Jetzt, da ich die Reise in Worte fasse und dokumentiere, ist das Gefühl nahezu identisch, wie an dem Tag als es passierte. Es war ein seltsamer Abend. Das Gefühl ein letztes Mal in Tsim Sha Tsui am Pier zu stehen und auf die nächtliche, noch weihnachtlich geschmückte Skyline von Hong Kong Island zu blicken stimmt traurig. So war es auch an diesem Abend. Klar, für mich stand fest ich würde wieder nach Hongkong kommen – aber in diesem Augenblick war es fast wie das Gefühl, dass es für immer sein würde.

Die Tage hier in Hongkong waren einfach zu schön – selten kann man auf Reisen auf so viele wunderschöne Augenblicke zurückblicken.

Die Tage hier in Hongkong waren einfach zu schön – selten kann man auf Reisen auf so viele wunderschöne Augenblicke zurückblicken. Selten hat man das Gefühl sich fast schon zu Hause zu fühlen, obwohl man in dieser Stadt als Europäer immer ein fremder sein wird.

Die Tage hier in Hongkong waren einfach zu schön – selten kann man auf Reisen auf so viele wunderschöne Augenblicke zurückblicken.

Ich denke ich habe es wirklich Sui zu verdanken, dass es so wurde wie es am Anfang meiner Reise nicht zu werden schien. War ich am Anfang fast schon überfordert mit den Eindrücken, die mich hier ereilten, so ist es an diesem Abend richtig schmerzhaft diese Stadt zu verlassen. Morgen, morgen werden wir nur noch ein paar Stunden hier in Hongkong haben. Dieser Abend ist der Anfang vom Ende einer wunderschönen Reise und einen Einblick in das ehemalige Leben eines Menschen, den man in sein Herz geschlossen hat …



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